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Es geht ums Atmen

Monika Appel und Undine Beck schaffen Bewusstsein für den Atem und die eigenen Töne.

06.03.2019

Bei Undine Beck und Monika Appel dreht sich alles um die Stimme. Die beiden Stimmpädagoginnen arbeiten seit über 20 Jahren mit der Stimme, ihrer eigenen und der anderer Menschen, als Logopädin, Stimm-Coach, Schauspielerin, Sprechtrainerin. Sie wissen: Die wenigsten Menschen kennen ihre eigene Stimme wirklich. Daher schöpfen viele ihre stimmlichen Möglichkeiten nicht aus – oder haben sogar Probleme damit. Wie schade, finden die beiden: Da wäre viel zu erleben, zu genießen und freizusetzen.

TAGBLATT ANZEIGER: Jeder von uns spricht, Tag für Tag, und es funktioniert auch meistens. Warum soll man da was besser machen?

Monika Appel: Die Stimme ist mein persönlichstes, einzigartiges Instrument und Ausdrucksmittel.

Undine Beck: Mit meinem individuellen Stimmklang zeige ich mich: So bin ich.

Appel: Die Stimme hat viel damit zu tun, wie wir wirken. Wir erleben ja selbst Unterschiede, wenn wir anderen Leuten zuhören: Es gibt Menschen, denen kleben wir an den Lippen, und bei anderen schalten wir ab. Ich finde, es lohnt sich schon, herauszufinden, ob man selbst seine Möglichkeiten gut einsetzt.

Beck: Die Stimme wirkt binnen Sekunden! Am Telefon hören wir sofort, wie der andere drauf ist. Mit unserer Stimme bauen wir eine Beziehung zu unserem Gegenüber auf, das beginnt beim ersten Schrei nach der Geburt. Viele Menschen brauchen ihre Stimme bei der Arbeit, sie müssen andere Menschen führen und Ziele erreichen. Verkäuferinnen beispielsweise, Mitarbeiter im Call-Center, auch Lehrer, Pfarrerinnen, Manager, Ärztinnen, Polizisten und Dienstleister.

Appel: Man spricht inzwischen von 70 Prozent so genannter Voice-Worker in Deutschland.

Was machen wir denn falsch beim Sprechen oder auch beim Singen?

Beck: Kann ich so pauschal natürlich nicht beantworten. Manche haben richtige Stimmprobleme und sind in Behandlung. Die meisten anderen denken über ihre Stimme gar nicht nach, nur wenige sprechen bewusst. Wir hören oft: ‚Meine Stimme ist doch angeboren.‘ Aber ich weiß, dass jeder mehr Stimmpotenzial hat und entwickeln kann, als er zu nutzen gewohnt ist. Manche sagen auch: ‚Ich kann nicht singen – ich musste mal in der Schule vorsingen, oh je, nie wieder.‘ Sowas finde ich immer traurig. Wäre es nicht viel schöner, die eigene Stimme zu genießen, mit ihr gemeinsame Sache zu machen?

Und wie soll das gehen?

Appel: Wir laden die Leute dazu ein, ihre Stimme besser kennenzulernen. Dabei geht es natürlich nicht nur um den Klang und das, was aus dem Hals kommt. Es geht um den ganzen Körper, darum, wie man steht oder sitzt. Und vor allem geht es ums Atmen!

Beck: Bei unseren Seminaren machen wir etwas, was wir ‚Tönen‘ nennen. Das ist Experimentieren, Spielen, Austesten. Für viele Menschen ein besonderes Erlebnis: Außerhalb des Seminarraums würden sie sich kaum trauen, solche Geräusche zu machen. Übers Kennenlernen kommen wir dazu, unser Stimmpotenzial zu erweitern. So, dass die Stimme mehr erreicht und weniger ermüdet.

Macht das denn so einen großen Unterschied?

Appel: Wenn man im Fernsehen eine Talkshow anschaut und merkt: ‚Dem glaube ich nicht!‘ – dann kann das daran liegen, dass die Stimme nicht stimmig ist, dass Inhalt und Ausdruck einfach nicht zusammenpassen. Einer, der authentisch ist, nimmt mich auch mit.

Interview: Veronika Renkenberger

Beck und Appel haben in den vergangenen Jahren die Zusatzausbildung zur ATT-Stimmpädagogin gemacht. ATT steht für Atem-Tonus-Ton und ist eine besondere Verbindung von Stimm-, Atem- und Körperarbeit. 2019 geben die beiden erstmals ATT-Seminare in Tübingen. Mehr Infos unter www.atem-tonus-ton-tuebingen.de.

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Erstellt:
6. März 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
6. März 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. März 2019, 01:00 Uhr

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