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Der Sport geht jetzt von der Leine

Nach den getroffenen Regelungen zur Öffnung wird organisierter Sport möglich

Sieben Wochen lang musste Lukas Gärtner (15) warten, dann durfte er wieder ins Rottenburger Hohenberg-Stadion. Der Leichtathlet des TV Rottenburg probierte gleich mal alle seine Disziplinen durch.

13.05.2020

Lukas Gärtner bei seinem ersten Training im Stadion nach sieben Wochen. Bild: Werner Bauknecht

Da hatte sich das Nachwuchstalent aus der Bischofsstadt extra eine improvisierte Hochsprunganlage in den Garten gestellt, um wenigstens nicht ganz auf seine Paradedisziplin verzichten zu müssen (wir berichteten). Dort konnte er notdürftig abheben, ansonsten rannte und sprintete er im Wald oder auf den asphaltierten Straßen vor der Haustüre. Dabei hatte er bislang beste Trainingsbedingungen beim TV Rottenburg: Eigener Schlüssel ins Stadion, flexibel in den Trainingszeiten und einen eigenen Trainer aus Tübingen, Jonas Neuner.

Dennoch: Corona und die Untätigkeit nagte an dem ehrgeizigen Sportler. Nicht mal in den Sportpark 1861 konnte er zum Krafttraining, der war natürlich auch geschlossen. Dabei spielt der Nachwuchsathlet, der derzeit in die 9. Klasse des Eugen-Bolz-Gymnasiums geht, durchaus mit dem Gedanken an die Olympischen Spiele in vier Jahren in Paris. „Warum nicht“, meint er, „bis dahin kann ich mich ja ständig verbessern.“

Hilfreich für Gärtners Pläne könnte daher die neueste Entwicklung in der Coronakrise sein: Am Mittwoch beschlossen der Bund und die Länder, weitere Öffnungen im Lande zuzulassen. Und dazu gehören auch Sportanlagen. Immer im Rahmen natürlich, also mit Abstands- und Hygieneregeln.

Die Rückkehr an die Sportstätte gestaltete sich für einen Individualsportler wie Lukas Gärtner absolut problemlos. Und so stand er bereits am Donnerstagmittag um 13 Uhr auf dem roten Tartan des Stadions. „Ich liebe das“, sagte er überglücklich, „im Stadion auf der Bahn, an der Hochsprunganlage und alles andere. Das habe ich total vermisst.“ Und gemeinsam mit seinem Trainer legte er gleich mal eine strapaziöse Einheit hin – zumal er am Vortag noch Krafttraining gemacht hatte.

Das begann mit Sprints auf der Bahn als Training für seinen Anlauf beim Sprung. Dem folgten erste Übungssprünge an der Hochsprunganlage. Am Ende lag die Latte immerhin auf 1,70 Meter. „Das ist schon ganz ordentlich für eine Trainingseinheit“, so Neuner. So langsam spürte Gärtner auch das Training vom Vortag. „Aber kein Problem“, sagte er, „dazu bin ich viel zu gerne im Stadion.“ Und dann ging es zur Kugelstoßanlage. Die war schon ganz ordentlich überwuchert mit Unkraut, nachdem sie wochenlang nicht benutzt werden konnte. Gärtner stellte sich auf die erhöhte Umrandung und schleuderte die Kugel mit beiden Armen von sich, hoch in den Ring. Das gleiche machte er mit dem Rücken zum Feld, warf die Kugel hinter sich. Dann stieß er noch ein paar Würfe in der richtigen Kugelstoßtechnik. „Wir machen das für die Sprungkraft“, so der Trainer. Die vorletzte Disziplin war der Weitsprung. Doch klappte es nach der langen Pause nicht so recht mit der Technik.

So kam es zum Abschluss mit einem 400-Meter-Lauf, „aber volle Kanne“, wie Neuner sagte. Tatsächlich gelang es seinem Schützling auf Anhieb, seine bisherige Bestmarke klar zu unterbieten. Im Ziel allerdings war er richtig platt. „Das ist egal“, sagte Gärtner am Boden sitzend, „aber es war einfach toll heute.“ Und am nächsten Morgen geht’s weiter – „um 10 Uhr treffen wir uns“, meinte der Trainer, „aber dann legen wir mehr Wert auf Technik als auf Kraft.“ Und den Abstand hielten die beiden auch ein.

Auch andere Sportarten können sich über die neuen Lockerungen freuen. So verkündete Dieter Schneider, der Vorsitzende der LG Steinlach-Zollern, in einer Rundmail an seine Mitglieder, dass es bald wieder losgeht mit dem Sport unter freiem Himmel. „Sehr erfreulich ist, dass unter Beachtung der Auflagen, auch der Sportbetrieb im Lauf- und Walkingtreff wieder ermöglicht werden soll. So jedenfalls nachzulesen in den aktuellen FAQ der Landesregierung BW zur Corona-Veröffentlichung,“ Vor allem für Lauftreffs ist die Neuigkeit erfreulich. Die sind nämlich zugelassen und am Start, „sofern die Auflagen eingehalten werden.“ Dies betrifft vor allem den Sicherheitsabstand, die Benennung einer verantwortlichen Person und einer Dokumentation der Teilnehmer.

Das Schutzkonzept ist umfangreich, es betrifft beispielsweise die Einteilung in Kleingruppen von maximal 5 Personen, die strikte Einhaltung der Hygieneregeln, Abstandsregelungen zwischen den einzelnen Personen und zwischen Trainingsgruppen, aber auch die Desinfektion von Geräten.

Werner Bauknecht

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Erstellt:
13. Mai 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Mai 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2020, 01:00 Uhr

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