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Kunst ist ein Erkenntnismedium

Nicole Fritz freut sich auf ihre neue Arbeitsstelle

Die Kunsthistorikerin Nicole Fritz übernimmt zum 1. Januar die Leitung der Tübinger Kunsthalle. Sie wechselt von Ravensburg in die Unistadt, wo sie sieben Jahre lang das Kunstmuseum geführt hat. Fritz kennt Tübingen gut aus ihrer Studienzeit, sie hat hier Kunstgeschichte und Empirische Kulturwissenschaft studiert.

27.12.2017

TAGBLATT ANZEIGER: Was haben Sie mit der Tübinger Kunsthalle vor?

Nicole Fritz: Ich möchte ein lebendiges Kunsthaus gestalten und ein zeitgemäßes Image für die Kunsthalle kreieren. Neue Zielgruppen ansprechen. Mit kunsthistorischen Fragen Menschen bewegen, die sich nicht schon von vornherein für Kunst interessieren. Wir wollen Angebote für viele verschiedene Menschen schaffen.

Warum finden Sie das wichtig?

Die Beschäftigung mit Kunst schult die Sinne und die Emotionen. Durch Kunst kommt man mit sich selbst in Verbindung und kann sein Bewusstsein entwickeln. Ich bin davon überzeugt, dass man auf diese Weise eine Bildkompetenz lernen kann, die Menschen zu kritischen Beobachtern und weniger anfällig für Manipulationen macht…

Was meinen Sie: Wieso funktioniert das gerade mit Kunst so gut?

Kunst ist ein Erkenntnismedium. Kunst ist eine nonverbale Symbol-Sprache. Kunst ist nicht rational, sondern vermittelt Erkenntnisse auf der emotionalen Ebene. Ich liebe es, mit Menschen über Kunst zu sprechen. Für mich bilden das Werk, der Künstler und der Betrachter ein Dreieck. Und das ist der Resonanzraum, der mich interessiert. Ich entwickle meine Ausstellungen immer aus der Kunst heraus und im Dialog mit den Künstlerinnen und Künstlern und bin ganz nah an der Produktion dran. Ausstellungen sind für mich keine Kopfgeburten.

Wie wollen Sie die neuen Vermittlungsangebote entwickeln?

Gleich im Januar startet schon ein gemeinsames Projekt mit der Dualen Hochschule Ravensburg. Da wird es um Fragen gehen, wie wir zum Beispiel Studierende am besten erreichen. Wie vermittle ich die Ausstellungen an die Studierenden in Tübingen? Das werden die jungen Menschen für die Kunsthalle erforschen.

In Ravensburg hatte ich zum Beispiel ein Führungsformat eingeführt, das sich „speed Dating“ nannte. Die Ausstellungsbesucher hatten knapp zehn Minuten Zeit, das Bild auszuwählen, das sie am meisten ansprach. Die einzige Regel war, dass niemand die Schilder oder Texte lesen sollte, jeder sollte sich nach seinem Bauchgefühl entscheiden. Dadurch entstand ein persönlicher Zugang zum Werk, den alle mit den anderen teilten, ganz fremde Menschen kommen so schnell in einen Dialog. Auch für Tübingen werden wir ortspezifisch passende Wege finden, um möglichst viele Menschen anzusprechen.

Das klingt, als würden Sie sich richtig darauf freuen.

Ja, klar! Das ist etwas, was ich wirklich liebe: Vor sieben Jahren bin ich nach Ravensburg gekommen und habe da Pionierarbeit geleistet. Jetzt war es für mich Zeit für einen Wechsel und ich freue mich riesig darauf, wieder etwas ganz Neues in Angriff nehmen zu können.

Interview: Andrea Bachmann

Was Nicole Fritz in ihrem ersten Jahr in der Tübinger Kunsthalle an Ausstellungen vorhat, haben wir auf unserer Kulturseite (Seite 10) zusammengestellt.

Die aktuelle Kunsthallenausstellung „Personen Institutionen Objekte Sachen“ ist die letzte Ausstellung von Noch-Kunsthallenchefs Kube Ventura, der Tübingen Richtung Reutlingen verlässt.

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Erstellt:
27. Dezember 2017, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Dezember 2017, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Dezember 2017, 01:00 Uhr

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