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Der Kommentar

Niveaulimbo mit Psychopomp

16.01.2019

Können Sie sich noch erinnern, welcher Begriff es zum „Wort des Jahres 2018“ geschafft hat? Nein? Sehr schlechte Gedächtnisleistung, schließlich ist diese Nominierung gerade mal einen Monat her. „Heißzeit“ war es. Und das Jugendwort des Jahres 2018 war: „Ehrenmann / Ehrenfrau“.

Bei der „Wort“-Suche im Internet (ja, auch mein Gedächtnis war schon mal besser) merkt man schnell, dass die Jugend deutlich lustiger spricht. Da gibt es so Wörter wie „Niveaulimbo“ für aus dem Ruder laufende Partys oder „Arschfax“ für ein Unterhosenetikett, das hinten aus der Hose hängt.

Die von der Gesellschaft für deutsche Sprache gekürten „Wörter des Jahres“ dagegen spiegeln meist nur deprimierende politische Vorgänge wider oder sind unbekannt. Da gibt es „Jamaika-Aus“, „GroKo“ und „Hartz IV“ oder „Lichtgrenze“ und „Rettungsroutine“.

Das einzige Jugendwort des Jahres, das es in meinen Sprachgebrauch geschafft hat, ist das Wort „Swombie“. (Sie wissen schon: Jene noch atmenden Zombie-Smartphone-Wesen, die durch den ständigen Blick auf ihr Smartphone so weggetreten sind, dass sie ihre Umgebung kaum noch wahrnehmen.) Doch ausgerechnet dieses Jugendwort soll gar kein echtes von der Jugend verwendetes Wort sein, sondern vom Langenscheidt-Verlag erfunden. Also von dem Verlag, der die Nominierung des „Jugendwort des Jahres“ eingeführt hat.

Daraus und aus der Tatsache, dass ich manches Jahreswort zum ersten Mal bei dessen Nominierung wahrgenommen habe, schließe ich: Jeder ist seines Wortes Schmied. Das mache ich jetzt auch so und ich habe schon einen Favoriten für dieses Jahr gefunden. Es lautet „Psychopomp“ und bringt einige sehr entscheidende Kriterien für ein Wort des Jahres mit: Es ist weitgehend unbekannt, ausreichend kurios und lässt viel Spielraum für Bedeutungsspekulationen.

Hätte ich eine Erklärung für dieses Wort finden müssen, dann hätte ich vermutlich so was wie „psychotherapeutisches Aufplustern“ dahinter vermutet. Aber weit gefehlt. Wenn Sie wissen möchten, was genau ein „Psychopomp“ ist, dann besuchen Sie doch einfach mal die „Engel“-Ausstellung im Rottenburger Diözesanmuseum. Vielleicht finden Sie ja dort eine Erklärung dafür. Angelika Brieschke

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Erstellt:
16. Januar 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
16. Januar 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. Januar 2019, 01:00 Uhr

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