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Der Kommentar

Paradies für eine Minderheit

30.10.2019

Von Vivian Viacara Galaz

Die Oase in Lateinamerika. So bezeichnete der chilenische Präsident Sebastián Piñera sein Land. Doch für wen gilt diese Aussage, fragen die Chilenen, die derzeit auf der Straße für ein besseres Leben demonstrieren. Damit nicht nur eine Minderheit im Paradies leben kann.

Seit zwei Jahren wohne ich in Tübingen. Von hier aus vergleiche ich die Situation in meiner Heimat Santiago de Chile sowie in großen und kleinen Städten Chiles mit dem Leben in Deutschland. Die Probleme sind in beiden Ländern ähnlich: Die soziale Ungleichheit zwischen Armen und Reichen, die Erhöhung der Lebenshaltungskosten, niedrige Renten sowie steigende Kosten für Bildung und Gesundheit machen auch den Menschen in Deutschland zu schaffen. Doch in Chile sind diese Probleme viel stärker ausgeprägt.

Beispielsweise kostet das Studium an einer öffentlichen Universität in Chile rund 250 Euro pro Monat. Und an einer privaten Universität ist ein Studium fast dreimal teurer. Wer in Chile studieren will, muss deshalb meistens einen Kredit aufnehmen. Ich muss meinen Kredit noch bis 2035 abbezahlen – dazu kommen noch hohe Zinsen. Für den Besuch der Schule müssen die Familien auch viel Geld bezahlen.

Meine Freundin berichtet von den aktuellen Problemen im Gesundheitswesen. Sie arbeit in einem Hospital in Santiago de Chile und sieht jeden Tag, dass es nicht genug Betten für die Patienten gibt, die meist sehr lange auf einen Termin warten müssen. Zudem müssen sie viel Geld für die Behandlung bezahlen.

Ein anderes Thema ist die Korruption. Ein Nachbar von mir ist sehr deprimiert. Denn er hat sich für ein berufliches Projekt interessiert. Doch die Stellen bekommen die Bekannten und Angehörigen des Chefs.

Solange diese Ungerechtigkeiten bestehen bleiben, werden die Menschen in Chile weiterhin auf die Straße gehen. Und ich freue mich, wenn sie von vielen Demonstranten in Tübingen unterstützt werden.

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Erstellt:
30. Oktober 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Oktober 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2019, 01:00 Uhr

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