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Renate Gaisser malt grundsätzlich nur im Freien
Unter freiem Himmel

Renate Gaisser malt grundsätzlich nur im Freien

01.08.2018

Der Weg verläuft an einem schimmernden Bach entlang bis zu einem schattigen Platz unter Bäumen am See. Hier hat die Reutlinger Künstlerin Renate Gaisser ihre Staffelei aufgebaut. Auf der Leinwand zeigen sich bereits die langen, schmalen Blätter der Wasserlilie vom Seeufer. Ein traumhafter Platz. Doch die Malerin, die ausschließlich draußen in der Natur arbeitet, steht auch noch bei 10 Kältegraden stundenlang in Schnee und Eis.

TAGBLATT ANZEIGER: Frau Gaisser, viele Ihrer Kolleginnen und Kollegen malen zuhause und verwenden Fotos als Vorlage. Wäre das nicht einfacher?

Renate Gaisser: Ja, natürlich kann man so arbeiten. Aber für mich ist die Freiluftmalerei schon immer meine große Liebe und Kraftquelle gewesen. Wenn man sich einem Objekt in der freien Natur täglich von 9 bis 16 Uhr intensiv zuwendet, erhält man auf der Leinwand ein ganz anderes Ergebnis.

Wie unterscheidet es sich von der Malerei zuhause?

Der Unterschied ist, dass man beispielsweise die Wasserlilien vor Ort dreidimensional erlebt. Hinzu kommen Sonne und Wind, der Geruch des Wassers und der Erde. Das ist ein spezielles, tiefgründiges Erleben der Natur, das man hinterher auch im Bild sieht. Es geht mir um Authentizität und Realismus.

Haben Sie sich schon immer für die Malerei begeistert?

Ich habe meine Leidenschaft für die Malerei, die heute mein Beruf ist, schon während meiner Schulzeit am Gymnasium entdeckt. Mit etwa 13 Jahren habe ich die ersten Kurse an der VHS belegt. An der Akademie in Stuttgart bin ich jedoch nicht angenommen worden, die Plätze sind sehr begrenzt.

Wie ging es dann weiter?

Ich komme aus einer Familie aus Technikern und Ingenieuren und habe mich für ein Architekturstudium entschlossen. Die Malerei habe ich aber nie aufgegeben. Es gab in Stuttgart am Zeicheninstitut einen sehr guten Dozenten, Siegfried Albrecht, der als Maler, Bildhauer und Bühnenbildner bekannt wurde. Er organisierte Mal-Exkursionen, an denen ich teilnahm und so die Plein Air-Malerei, also das künstlerische Arbeiten unter freiem Himmel, kennenlernte.

Wie hat sich Ihr Architekturstudium weiterentwickelt?

Einer meiner Lehrer war Walter Maria Förderer, Professor für Kunst am Bau an der Akademie Karlsruhe und Gastprofessor an der TU Stuttgart, bei dem ich auch mein Diplom abgelegt habe. Bei ihm habe ich beispielsweise Entwürfe für Kirchen und Säle gemacht. Er sagte mir: „Die Architektur ist Ihnen in die Seele gelegt.“ Nach dem Studium habe ich acht Jahre lang im Architekturbüro von Günther Domenig in Graz gearbeitet.

War die Malerei in dieser Zeit auf Eis gelegt?

Nein, parallel habe ich immer gemalt, Ausstellungen gemacht und meine Bilder in Galerien verkauft. Ein Highlight war die Einladung zu einem Malersymposium am Roten Meer durch das Kulturzentrum bei den Minoriten in Graz. Beruflich lief es sehr gut, aber ich hatte dadurch auch leider immer weniger Zeit für meine Leidenschaft.

Heute leben Sie wieder in Reutlingen, Ihrer Heimatstadt.

Irgendwann war es so weit, dass ich mich in Graz nicht mehr durch längerfristige Projekte binden wollte. Ich bin nach Hause zurückgekehrt, habe geheiratet, einen Sohn bekommen und widme mich seither ganz der Malerei.

Was fasziniert Sie daran?

Zurzeit interessieren mich Spiegelungen. Wenn man den Himmel malt, wie er sich im Wasser widerspiegelt, hat man im Bild nicht diese harte Horizontlinie. Ich male gerne vertrocknetes Gras oder Holzstapel. Dinge, die nicht zu den klassisch schönen Motiven gehören, aber in ihrem Werden und Vergehen realistisch und wahrhaftig sind. Ich sehe mich selbst als Teil der Natur und möchte sie ganzjährig erleben. Dafür begebe ich mich im Winter auch gerne mal sozusagen in den Kampfmodus mit doppelten Wollsocken und Thermoskanne.

Interview: Gabriele Böhm

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01.08.2018, 01:00 Uhr
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