Gefahr durch Teratogene

Riskante Medikamente gefährden Ungeborene schon vor der Schwangerschaft

Viele Frauen im gebärfähigen Alter bekommen potenziell kindsschädigende Arzneimittel verordnet, auch Teratogene genannt. Allein bei der Barmer waren im Jahr 2018 fast 154 000 Frauen zwischen 13 und 49 Jahre davon betroffen.

01.09.2021

Wo ist der Medikationsplan? Der Barmer-Vorstandsvorsitzende fordert mehr Kontrolle über Pillen und Co. Bild: Dan Race / fotolia

Problematisch wird die Einnahme von Teratogenen ab dem Beginn der Schwangerschaft. Der Name kommt vom altgriechischen „téras“, zu Deutsch „Ungeheuer“, bei Platon ein wunderliches, den gewöhnlichen Gestalten unähnliches Wesen, sagt Wikipedia.

Im ersten Schwangerschaftsdrittel bekamen 663 von rund 66 500 Barmer-Versicherten mit Entbindung im Jahr 2018 Teratogene verordnet. Das geht aus dem Arzneimittelreport 2021 hervor, den die Barmer zuletzt vorstellte.

„Die grundsätzliche Verordnung von Teratogenen vor einer Schwangerschaft ist nicht das Problem. Vor allem dann nicht, wenn verhütet wird. Spätestens mit Eintritt der Schwangerschaft darf aber kein Teratogen mehr zum Einsatz kommen. Genau genommen muss der Schutz des ungeborenen Kindes bereits davor beginnen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Prof. Dr. med. Christoph Straub.

Deshalb sollten auch Frauen im gebärfähigen Alter mit Dauermedikation einen Rechtsanspruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan erhalten. Damit könne das Risiko für das ungeborene Leben bei einer notwendigen teratogenen Medikation massiv reduziert werden. Derzeit werde die Arzneimitteltherapie unzureichend dokumentiert. Das führe zu gefährlichen Informationslücken zu Beginn der Schwangerschaft. Für Gynäkologinnen und Gynäkologen sei es schwer bis unmöglich, rechtzeitig Teratogene abzusetzen.

Laut Arzneimittelreport dürften rund 30 Prozent der Frauen vor einer Schwangerschaft regelmäßig Arzneimittel einnehmen. Allerdings besitzt offenbar nur eine kleine Minderheit einen Medikationsplan. „Der Schutz des ungeborenen Kindes muss schon vor der Schwangerschaft beginnen. Dazu sollte die Gesamtmedikation junger Frauen grundsätzlich auf kindsschädigende Risiken geprüft werden“. sagte der Autor des Arzneimittelreports, Prof. Dr. med. Daniel Grandt, Chefarzt am Klinikum Saarbrücken. TA

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Erstellt:
1. September 2021, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
1. September 2021, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 1. September 2021, 01:00 Uhr

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