Sein vierter Sieg

Stadtlauf Tübingen vor 20 Jahren: Dauerregen

In Zeiten, in denen kaum analoger Sport möglich ist, in denen man nicht mal als Gruppe durch den Wald hirschen kann und in denen man sogar beim Laufen durch die Wiesen Abstand zum Mitläufer halten muss - da erinnert man sich doch gerne nostalgisch an früher.

07.04.2021

Stadtlauf 2001(v.l.): Kipkirui Misoi (Kenia), der spätere Sieger Tendai Chimusasa (Simbabwe), Laban Chege (Kenia) und Jonathan Wyatt (Neuseeland). Archivbild: Ulmer

Zum Beispiel an den Tübinger Stadtlauf von vor 20 Jahren. Am 16. September fand der statt, und gewonnen hat ihn damals Dauersieger Tendai Chimusasa aus Simbabwe. Das war bereits sein vierter Sieg, den er vor dem anderen Dauersieger Laban Chege aus Kenia gewann.

Das Wetter damals: Eine Katastrophe. Vor dem Start hatte es geregnet und es war saukalt. Zwar standen trotzdem Tausende an der Strecke, doch als Läufer sah man kaum Gesichter, nur Regenschirme. Die Hatz ging damals nur 7,5 Kilometer durch Tübingen, dreimal galt es, eine 2,5-Kilometer-Runde zu bewältigen. Höhepunkt: Der Anstieg die Neckargasse hoch. Da fanden die Schnellsten unter den Top-Athleten kaum Bodenhaftung auf dem nassen Boden. Und Top-Athleten gab es vor 20 Jahren wahrlich genug in Tübingen. Außer den beiden Afrikanern an der Spitze rannte da zum Beispiel Jonathan Wyatt aus Neuseeland mit, der vermutlich beste Bergläufer den es je gab. Der wurde zeitgleich Dritter mit Chege in der überragenden Zeit von 21:19 Minuten. Nein, Dieter Baumann nahm leider nicht Teil. Ein Jahr später belegte er übrigens den zweien Platz – hinter Chege.

Doch 2001 waren noch Cracks wie der damalige beste deutsche Mittelstreckler Wolfram Müller im Feld. Er wechselte zur LAV Tübingen, verletzte sich dann aber schwer. Ein Mario Kröckert aus Leverkusen war dabei, aber auch der spätere Deutsche Meister im Marathon, Martin Beckmann aus Filderstadt. Nicht zu vergessen die einstige nationale Mittelstreckenhoffnung aus Tübingen, Simon Perikles, der Platz 34 belegte. Heute ist er Professor und hat sich in der Doping-Forschung einen internationalen Namen gemacht. Linah Cheruiyot aus Kenia gewann im Frauenrennen. Beste Deutsche war hier die damalige Starläuferin Petra Wassiluk aus Frankfurt.

Allerdings stand das Rennen damals unter einem ganz anderen Thema. Deshalb war die Stimmung nicht ganz so fröhlich, die Menschen nicht ganz so ausgelassen und die Stimmen der Moderatoren nicht ganz so laut. Nur ein paar Tage zuvor hatte das Attentat auf das World Trade Center in New York stattgefunden. Der Schrecken stand noch allen im Gesicht. „Wir können uns die Welt nicht von Terroristen diktieren lassen“, sagte die Ministerin Hertha Däubler-Gmelin zur Veranstaltung und darüber, dass sie überhaupt stattfand.

Bereits damals war der heutige Bürgermeister Boris Palmer am Start, da noch als Mitglied des Landtags. Tübinger OB war da noch Brigitte Russ-Scherer. Im Starterpaket fanden alle Läufer/innen übrigens einen Trauerflor.Werner Bauknecht

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Erstellt:
7. April 2021, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
7. April 2021, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. April 2021, 01:00 Uhr

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