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Stefan Brockmann kennt sich mit Infektionen aus
Auf Viren reagieren

Stefan Brockmann kennt sich mit Infektionen aus

Das Landratsamt Reutlingen arbeitet zusammen mit der Universität Tübingen an einem Modell zur Berechnung von Infektionsfällen mit Hantaviren (siehe Seite 1).

24.01.2018

Warum es das tut und was es sich davon erhofft, erklärte Landratsamtsmitarbeiter Stefan Brockmann dem TAGBLATT ANZEIGER. Brockmann ist zuständig für umweltbezogenen Gesundheitsschutz.

TAGBLATT ANZEIGER: Die Berechnung für Hantavirus-Infektionen im Jahr 2017 ist sehr ungenau gewesen. Statt 2500 waren es nur 781 Infektionen. War das eine sinnvolle Sache?

Stefan Brockmann: Für uns ist es wichtig, vorherzusehen zu können, ob ein Jahr ein Epidemiejahr wird oder nicht. Klar, war die Zahl nicht richtig. Aber ob es nun 1000 oder 1800 Fälle sind, das ist nicht so wichtig. Für uns war das Jahr 2017 ja trotzdem ein Epidemiejahr.

Tatsächlich?

Sie müssen sich einfach mal die Infektionszahlen der anderen Jahre anschauen. Wir haben oft eine Infektionsrate von unter 100 pro Jahr. Es gab auch schon nur 44 oder 22.

Wie erklären Sie sich das schlechte Schätzergebnis?

2017 war ein Epidemiejahr, aber eben nicht so ausgeprägt, wie wir berechnet hatten. Bis Juni gab es recht viele Infektionen. Aber dann hat es lange und viel geregnet. Ab da ging die Infektionsrate runter. Die Leute gehen einfach nicht so viel ins Freie, wenn es regnet. Und außerdem braucht es ja trockenes Wetter, damit sich das Virus verbreiten kann.

Im Grunde waren es einfach zu viele Parameter, die wir in unseren großen Simulator gepackt haben. Unser Simulator funktioniert genauso wie die Pandemie-Simulatoren, die die Rettungsdienste verwenden. Die funktionieren gut in großen Gebieten. Wir haben versucht, das auf die kommunale Ebene herunter zu brechen. In kleinräumigen Gebieten wird die Vorhersage aber schwieriger. Wir hätten das gerne genauer gemacht, aber auf Landkreisebene ist das eben schwierig. Wir sind schon dabei, das Ganze für den neuen Versuch fitter zu machen.

(Unter einer Pandemie versteht man eine länderübergreifende Ausbreitung einer Krankheit, eine Epidemie ist örtlich beschränkt, d. Red.)

Was haben Sie davon, wenn Sie wissen, wie sich die Infektionsrate im Jahr entwickelt?

Wenn wir wissen, dass es ein Epidemie-Jahr wird, dann können wir ganz andere Schutzmaßnahmen ergreifen. Natürlich können wir immer eine Warnung heraus geben und erklären, wie man sich schützen sollte. Die Leute sind aber oft sehr verunsichert. Die fragen sich, ob sie bei der Kehrwoche eine Schutzmaske aufsetzen müssen, oder ob sie überhaupt noch im Wald joggen können. Das ist nicht sinnvoll, wenn nur mit 10 oder weniger Infektionen zu rechnen ist. Wenn wir in Epidemiejahren besser warnen können oder vielleicht auch bessere Schutzmaßnahmen anbieten können, zum Beispiel Schutzmasken verteilen, dann wäre das hilfreicher.

Und, braucht man für die Kehrwoche eine Maske?

(lacht) Nein. Es geht ja um geschlossene Räume und wenn’s staubt. Also in Garagen zum Beispiel, oder in Schuppen. Aber es gibt da wirklich einen riesigen Forschungsbedarf. Man weiß zum Beispiel, dass Forstleute die höchsten Infektionsraten überhaupt haben, bis zu 50 Prozent! Die Raten sind viel höher als bei Landwirten. Aber merkwürdigerweise gibt es in Lörrach und Waldshut bei weitem keine so hohen Fallzahlen wie bei uns. Unser Landkreis ist da immer sehr exponiert.

Oder: Eine Studie aus Osnabrück hat festgestellt, dass es für Jogger im Wald ein zweifach höheres Infektionsrisiko gibt als für andere. Das waren aber nur wenige Fallzahlen. Da muss man sich fragen, ob es vielleicht einfach Zufall war oder Pech, dass die sich infiziert haben. Um vernünftig forschen zu können, braucht man einfach viele Fälle.

Und Sie wollen forschen?

Ja. Wir wollen auf jeden Fall unser Modell optimieren.

Interview: Angelika Brieschke

www.hanta-vorhersage.de

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24.01.2018, 01:00 Uhr
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