Traumrolle Tiger Girl

Thea Rinderli spielt seit zwei Jahren in Tübingen

Thea Rinderli, 1987 in der Nähe von Zürich geboren, ist als Schauspielerin und Performerin in der zweiten Spielzeit festes Ensemblemitglied des ITZ am Tübinger Zimmertheater. Derzeit ist sie beim „Audio-Walk mit dem Tod“ zu hören.

24.06.2020

Thea Rinderli mag starke Frauenrollen. Bild: Philipp Schmidt

TAGBLATT ANZEIGER: Inwiefern sind Sie an dem Audio-Walk beteiligt?

Thea Rinderli: Ich habe eine Geschichte vertont. Gesprochen, gesungen und die Leitung für die musikalische Gestaltung übernommen.

Wie gehen Sie mit der Corona-Zwangspause um?

Es ist natürlich sehr ungewohnt. Dass alles gerade reduziert und heruntergefahren ist, hat aber auch etwas Spannendes. Ich gehe auf jeden Fall inspirativ mit der Pause um. Langweilig war mir in der ganzen Zeit nie. Ich lese viel, koche, bin viel draußen und habe viel Zeit für meine Masterarbeit.

Welches Thema hat die Arbeit?

Es geht darum, was es mit mir macht, wenn im Publikum Menschen sitzen, die ich persönlich kenne. Die Fragestellung kam mir durch meine Arbeit am ITZ. Das Zimmertheater hat sehr intime Räume. Man sieht die Zuschauer(innen) gut, und ich kenne mittlerweile viele aus dem Stammpublikum. Ich möchte herausfinden, was das mit Schauspieler(inne)n macht und wie wir infolgedessen mit Problemen und Irritationen umgehen können.

Bedeutend dabei ist die Beziehung zu der bekannten Person. Sitzt da mein Chef, mein Freund, eine Kollegin? Zum anderen, wie die Person dem Geschehen auf der Bühne folgt. Ist sie wohlwollend, wirkt sie kritisch oder gar gelangweilt? Definitiv macht es mehr mit einem, wenn man Leute kennt, im Unterschied dazu, vor einem fremden Publikum zu spielen. Wenn man Leute kennt, kann es einen beflügeln und Energie geben, oder einen verunsichern. Dann fängt möglicherweise das Kopfkino an.

Hat man denn dafür Zeit, wenn man aktiv am Spielen ist?

(lacht) Es läuft viel parallel ab. Die „Tentakeln“ sind auf diverse Orte gerichtet. Und natürlich ist man im besten Fall mehrheitlich bei der Szene, bei den Kollegen, beim Text, aber die Reaktionen und das Mitmachen des Publikums gehören genauso zum Abend wie mein Spiel. Theater funktioniert ja nur im Austausch von Spiel und Reaktion des Publikums. Wie stark deren Bedeutung ist, hängt natürlich auch von der Theaterform ab. Im letzten Stück habe ich Zuschauer sogar berührt. Dabei ist das Verhältnis besonders unmittelbar und intim, was einen stärker berühren oder irritieren und überraschen kann und das wiederum hat Auswirkungen auf das eigene Spiel – im besten Falle positive.

Wie sind Sie zum Theater gekommen?

Ich hatte schon immer Freude daran, etwas vorzuführen. Meine erste große Rolle war in einem Musical mit einem Jugendchor. Danach bin ich beim Zirkus gelandet und durfte bei einem Theaterstück mit Zirkuselementen mitwirken. Die Menschen dort waren sehr prägend für mich. Es herrschte eine tolle Energie, die mir entsprach, und ich habe gemerkt, ich möchte weiter in diese Richtung gehen. Es folgte ein Theaterjahr in Bochum, woraufhin ich mich entschieden habe, Theaterpädagogik zu studieren. Im ersten Jahr des Studiums merkte ich aber, dass mir das Selberspielen doch sehr viel Spaß macht und liegt. Ich habe fertig studiert, nebenher aber schon viele eigene Projekte initiiert. Mit 28 Jahren habe ich den Master in Schauspiel an der Everding-Theaterakademie in München begonnen, währenddessen immer gespielt, und jetzt bin ich hier in Tübingen.

Ein Blick hinter die Kulissen: Was geschieht in einer Garderobe?

Mir gefällt diese Zeit kurz vor einer Vorstellung besonders gut. Die Stimmung im Ensemble ist sehr nah und vertraut. Wir hören Musik, es ist Gossip-Time. Die Gespräche sind spannend, aber nicht zu tief. Es darf einen ja nicht aus der Konzentration bringen.

Gibt es eine Rolle, die Sie gerne einmal spielen würden?

Grundsätzlich mag ich starke, nicht angepasste Frauenrollen. Laute, rebellische, exzessive Frauen. Das Tiger Girl von Jakob Lass wäre eine Traumrolle für mich.

Wie sehen Ihre

Zukunftspläne aus?

Die nächste Spielzeit werde ich auf jeden Fall am ITZ bleiben. Im Sommer wird die Intendanz entscheiden. Dann wird sich zeigen, wie es weitergeht. Auf jeden Fall werde ich die Masterarbeit abschließen und würde gerne mehr im Filmbereich machen, zum Beispiel weitere Kurzfilme drehen. Der Kurzfilm „Friss mein nicht“ von Sarah Tafel mit Marie von Reibnitz und mir sollte am 6. Juni an der Hochschule für Film und Fernsehen in München Premiere feiern, doch aufgrund von Corona wird die verschoben. Freunden und Bekannten konnte ich den Film allerdings schon zeigen, immerhin das. Und ich freue mich wieder auf weitere Projekte im Theater im Herbst und aufs Spielen. Live Kontakt ist nicht ersetzbar.

Interview: Philipp Schmidt

INFO: Thea Rinderli ist auf der Plattform „Filmmakers“ zu finden.

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Erstellt:
24. Juni 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
24. Juni 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2020, 01:00 Uhr

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