Lust auf gesundes Essen machen

Tipps für einen kindgerechten Speiseplan von der Ernährungswissenschaftlerin Isabelle Mack

Auch beim Essen ahmen Kinder ihre Eltern nach, beobachtet Isabelle Mack. Der TAGBLATT ANZEIGER sprach mit der Ernährungswissenschaftlerin an der Tübinger Uniklinik über einen gesunden Speiseplan zwischen Brokkoli und Fast Food.

Tipps für einen kindgerechten Speiseplan von der Ernährungswissenschaftlerin Isabelle Mack

Isabelle Mack empfiehlt, Kinder schon frühzeitig in die Planung der Mahlzeiten einzubinden. Privatbild

TAGBLATT ANZEIGER: Wie können Eltern den Geschmack von Kindern positiv beeinflussen?

Isabelle Mack: Kinder werden schon sehr früh von ihrer Umwelt geprägt. Das beginnt bereits im Mutterleib und setzt sich bis in die Jugendzeit fort. Eltern haben viele Möglichkeiten, den Geschmack ihrer Kinder zu beeinflussen. Der wichtigste Faktor ist ihr Vorbild. Denn Kinder sind viel Zuhause und beobachten die Ernährung ihrer Eltern, die sie dann nachahmen. Bei gemeinsamen Mahlzeiten mit der Familie können Eltern die Beziehung ihrer Kinder zum Essen mitgestalten. Je vielfältiger die Ernährung der Kinder ist, umso besser. Das Heranführen an manche Lebensmittel braucht Zeit. Dabei empfehlen wir, dass die Kinder die Lebensmittel immer wieder probieren. Wichtig ist, dass die Eltern keinen Druck ausüben und viel Geduld aufbringen.

Was sollten Eltern tun, wenn ihr Kind kein Gemüse essen will?

Es wird immer wieder Zeiten geben, wo Kinder zum Beispiel den Brokkoli erst gut finden und ihn wenige Wochen später plötzlich ausspucken, weil sie ihn nicht mehr mögen. Das ist kein Grund zur Beunruhigung. Einfach weiter eine Vielfalt an Gemüse anbieten und zum Probieren ermutigen.

Sollten Kinder selbst entscheiden dürfen, was sie essen möchten?

Hierfür gibt es eine gute Faustregel: Die Eltern geben vor, was gegessen wird und das Kind bestimmt, wie viel. Je kleiner die Kinder sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen bestimmten Teil einer Mahlzeit kategorisch ablehnen und etwa nur den Reis essen wollen. Je älter das Kind ist, umso mehr kann es beim Essen mitbestimmen.

Ich empfehle, die Wünsche von Kindern bei der Planung des Speiseplans auf jeden Fall zu berücksichtigen. Dabei sollte ihnen der Grundsatz einer ausgewogenen Ernährung vermittelt werden, dass man nicht den ganzen Tag nur Kuchen essen kann, dass sie aber auch einmal im Monat Fast Food essen dürfen.

Wie beeinflusst Stress das Essverhalten von Kindern?

Es gibt sehr unterschiedliche Stressoren, die die kindliche Gesundheit mehr oder weniger stark beeinflussen. Kinder reagieren unterschiedlich auf Stress. Manche verweigern dann einerseits zu essen, beispielsweise kurzfristig, wenn sie wegen einer Prüfung sehr aufgeregt sind. Andererseits suchen Kinder im Essen auch Trost, insbesondere durch die Aufnahme von Fetten und Zucker beim heimlichen Naschen.

Was halten Sie von einer vegetarischen oder veganen Ernährung für Kinder?

Eine vegetarische Ernährung ist für Kinder unproblematisch, weil sie in der Regel Milchprodukte, Eier und im besten Fall auch Fisch enthält. Eine vegane Ernährung ist eine stark eingeschränkte Ernährungsform. Erwachsene, die sich dafür entscheiden, sollten sich gut informieren und wissen, welche Nahrungsergänzungsmittel sie brauchen, damit sie keine Mängel entwickeln. Die vegane Ernährung ist insbesondere bei kleinen Kindern kritisch. Denn bei ihnen können Mangelerscheinungen zu neurologischen Langzeitschäden führen. Hier empfehle ich die professionelle Begleitung durch den Kinderarzt und Ernährungsfachkräfte.

Fragen von Vivian Viacava Galaz


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28.04.2021, 01:00 Uhr