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Dach und Fassade

Tübingen fördert die Artenvielfalt in der Stadt

Vom Nistkasten bis zur Dachbegrünung: Es gibt viele Möglichkeiten, dem Artensterben entgegenzuwirken. Die Stadt fördert ab sofort Privatpersonen, die freiwillig Raum für Pflanze und Tier schaffen – mit bis zu 50 Prozent der Kosten.

05.06.2019

Gunter Mann ist Präsident des Bundesverband Gebäudegrün. Bild: BuGG

Dr. Gunter Mann ist Präsident des Bundesverbands Gebäudegrün, der die positiven Wirkungen von Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünungen an Politik, Bauherren, Planer und die breite Öffentlichkeit bringen möchte.

TAGBLATT ANZEIGER: Wieso ist Biodiversität in der Stadt wichtig?

Gunter Mann: Artenschutz und Artenvielfalt gehen uns alle an. Mit Entsiegelungsmaßnahmen, Begrünen von Fassaden, Wänden, Dächern, dauerhaften Aufstellen von Pflanzgefäßen, Anlegen von Teichen und so weiter tun wir was für die Artenvielfalt und vor allem was für uns!

Ohne artenreiche Tiervielfalt fehlen uns früher oder später manche Lebensmittel und unser Tisch ist nicht mehr so reichhaltig, ausgewogen und gesund gedeckt.

Wir dürfen nicht nur eindimensional an der Artenvielfalt festhalten. Mit jeder Grünfläche, die wir neu schaffen, tun wir etwas in Richtung Klimaanpassung, verbessern unser städtisches Klima, wir helfen mit, dass die Extremniederschläge auf dem Grundstück bleiben und verdunsten können. Wir entlasten die Kanalisation und beugen Überflutungen vor – und so weiter. Mit Stadtgrün holen wir uns ganz viele positive Wirkungen und der Anblick von Pflanzen hält uns gesund.

Stimmt es, dass Städte teils bessere Lebensbedingungen für Tiere bieten, da sie nicht so verseucht sind von Agrar-Pestiziden und Co.?

Ja, teilweise ist das so. Grünflächen in der Stadt können Rückzugsräume für Tiere schaffen. Aber nicht auf Dauer. Man hat ja erkannt, dass das Artensterben stark auf die derzeitige Landwirtschaft zurückzuführen ist und hat erste Maßnahmen ergriffen.

Auch hier gilt wieder: Es ist nicht der Bürger in der Stadt alleine, der was tun muss, sondern auch das Umland, die Politik und so weiter.

Wo wir in der Stadt ganz hervorragend ansetzen können, und nun kommen wir mit unserem Verband ins Spiel, sind die vielen Dach- und Fassadenflächen. Hier ist ein großes Potenzial. Vor allem auf dem Dach lassen sich großflächig Biotope einrichten.

Wie so ein Gründach idealerweise in Sachen Struktur- und Artenvielfalt aussehen sollte, habe ich übrigens schon vor über 20 Jahren in meiner Doktorarbeit hier an der Universität Tübingen erforscht.

Manche Möglichkeiten zur Förderung der Biodiversität fördert die Stadt derzeit nicht. Welche weiteren Wege sehen Sie?

Als Privatperson kann jeder mitmachen und Beispiele setzen. Und andererseits: Warum sollte nicht ein Unternehmen auch ohne Förderung das Firmengelände naturnah gestalten!? Das Förderprogramm sieht derzeit noch keine Förderung von Projekten im gewerblichen Bereich vor. Das wird hoffentlich noch kommen und das wäre wichtig, da hier in der Regel größere Flächen im Sinne der Biodiversität gestaltet werden könnten.

Sind teurere Maßnahmen effektiver als billige?

Meist sind größere Flächen, die bewusst neu oder umgestaltet werden, wertvoller und durch ihre Größe teurer. Doch je größer, desto mehr Rückzugsflächen haben die Insekten und Bodentiere. Doch schon einfache Maßnahmen wie größere Pflanzgefäße auf dem Balkon aufzustellen, können sinnvoll und förderfähig sein. Die städtische Förderung schafft hier Aufmerksamkeit, Bewusstsein und einen gewissen finanziellen Anreiz.

Interview: Monica Brana

Hinweise zur Förderung der

Artenvielfalt im Tübinger Siedlungsgebiet bietet die städtische Webseite www.tuebingen.de/2117.html#/25505

Deutschlandweit tauschen sich mehr als 60 Kommunen im Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt e. V.“ aus: www.kommbio.de

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Erstellt:
5. Juni 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Juni 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Juni 2019, 01:00 Uhr

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