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Solidarität mit Chile

Tübinger Demonstranten unterstützen die Protestbewegung gegen die soziale Ungleichheit in dem latein

Tübinger/innen solidarisieren sich mit der Protestbewegung in Chile und demonstrierten am vergangenen Freitag auf dem Holzmarkt gegen die soziale Ungleichheit in dem lateinamerikanischen Land (siehe auch den Kommentar auf Seite 2).

30.10.2019

Heike Hänsel (mit Megaphon) erinnerte am Freitag daran, dass bereits 1986 und 1987 in Tübingen gegen die Diktatur von Pinochet demonstriert wurde. Bild: Vivian Viacara Galaz

„Wir solidarisieren uns mit den Chilenen, die seit einer Woche auf der Straße sind und gegen das 30-jährige unsoziale neoliberale System in ihrem Land demonstrieren“, erklärte Heike Hänsel bei der Demo am Freitag. „Ich möchte daran erinnern, dass 1987 Tübinger und Tübingerinnen gegen die Diktatur von Pinochet demonstrierten und es ist schrecklich, dass in Chile jetzt wieder Panzer auf der Straße zu sehen sind“, betonte die Tübinger Bundestagsabgeordnete der Linken.

Seit fast zwei Wochen demonstrieren Chilenen in den Großstädten gegen das neoliberale Wirtschaftssystem, das sie für die soziale Ungleichheit in ihrem Land verantwortlich machen. Zwar ist Chile eines der reichsten Länder Lateinamerikas. Doch nach den Berechnungen der Weltbank ist der gesamte Reichtum Chiles im Besitz von sechs Prozent der Bevölkerung. Deshalb ist das Land von einer breiten Unterschicht geprägt. Und die untere Mittelschicht ist mit ihrer ökonomischen Situation unzufrieden.

Am Freitag, 18. Oktober, startete der Protest in Santiago de Chile. Auslöser war die Erhöhung der Preise für die U-Bahn-Tickets. Aber diese Erhöhung war nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Denn aufgrund der krassen Differenzen bei den Einkommen kämpfen große Teile der Bevölkerung mit schwierigen Lebensverhältnissen. Am deutlichsten sind die Probleme bei der Gesundheitsversorgung sowie im Bereich der Bildung sichtbar. Und niedrige Renten drängen viele Senioren in die Altersarmut. Zumal die Preise für Strom und Lebensmittel permanent steigen.

„Die schlechte medizinische Versorgung in Chile hat schon vielen Menschen das Leben gekostet“, kritisiert Sergio Pinto, ein Chilene, der in Tübingen lebt und die Demonstration am Freitag unterstützt hat. „Das Einkommen der unteren Schichten muss angehoben werden“, forderte eine Chilenin, die ebenfalls auf der Tübinger Demo war.

Der Präsident von Chile, Sebastian Piñera, rief am Sonntag, 20. Oktober, einen Notstand aus. Um ihn durchzusetzen, setzte Piñera mehr als 15 000 Soldaten ein. Wie viele Menschen bei den Konflikten zwischen Militär und Demonstranten ihr Leben verloren haben, ist umstritten. Während die Regierung von 19 Toten spricht, beläuft sich die Zahl nach Meinung vieler Stimmen aus der Bevölkerung mindestens auf 30. Das Deutsche Institut für Menschenrechte veröffentlichte die Zahl von 1092 Verletzten und mehr als 3000 festgenommenen Demonstranten.

Valentina Roblero erklärt sich den Einsatz des Militärs gegen Demonstranten damit, dass Piñera mit den Protesten überfordert war. „Wir verzeihen ihm nie, dass er die Soldaten auf die Straße gelassen hat“, betont die Chilenin.

Die Reaktion der chilenischen Regierung auf die Unruhen provoziert neue Proteste. Auch die Chilenen in Tübingen rufen zur Solidarität mit der Protestbewegung in ihrer Heimat und zu einer weiteren Kundgebung auf. Sie beginnt am heutigen Mittwoch, 30. Oktober, um 17 Uhr.Vivian Viacava Galaz

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Erstellt:
30. Oktober 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Oktober 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2019, 01:00 Uhr

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