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Viel Glück und viel Geld

Tübinger Studierende zur Wohnungsnot und dem Baugebot

Wohnungen in Tübingen sind Mangelware. Weshalb Oberbürgermeister Boris Palmer den Eigentümern leerstehender Baugrundstücke mit Enteignung droht. Wie kommt diese Anwendung des Baugebots bei den Studierenden an, die in der Unistadt dringend eine Bude brauchen (siehe auch den Kommentar auf Seite 2)?

05.06.2019

Ein Baumhaus aus der Platanenallee ist wohl auch nicht die Lösung für die Wohnungsnot in Tübingen. Bild: Stefan Zibulla

Die meisten der befragten Studenten in der Tübinger Unibibliothek äußern sich nur ungern zu diesem Thema, das in Tübingen kontrovers diskutiert wird. Die Reaktionen reichen von „Oh nein, bitte nicht“ bis zu einem belustigten „Ach, schon wieder?“

Mehr als die Hälfte der befragten Studenten haben einen Platz in einer Wohngemeinschaft (WG) oder im Studentenwohnheim gefunden. Für viele ist das nur eine Notlösung, weil sie lieber eine eigenen Wohnung hätten. „Es ist schwer, in Tübingen etwas zu finden, weil es einfach nicht bezahlbar ist.“ So wie Mario Simmberg, 23, geht es noch vielen anderen Studenten. „Mit der Hilfe einer Organisation ist es leichter, eine Wohnung zu finden“, erklärt Larissa. Die 20-Jährige aus Hannover hat über das Studierendenwerk eine Wohngemeinschaft in Tübingen gefunden. Allerdings würde auch sie lieber in einer eigenen Wohnung leben. Doch die Mietpreise sind für sie ohne Nebenjob nicht zu finanzieren. Der würde allerdings ihr Vollzeitstudium einschränken.

In dieser Zwickmühle befinden sich viele Studierende, die sich die steigenden Mietpreise nur noch sehr selten leisten können. So wie Nico. Der 20-Jährige wohnt noch bei seinen Eltern und pendelt täglich nach Tübingen. „Es ist schon sehr schwer“, kommentiert auch Elisabeth Weniger ihre Suche nach einer passenden WG. „Ich hatte halt Glück“, freut sich die 19-Jährige.

Glück ist bei der Wohnungssuche ein sehr wichtiger Faktor – das bestätigen mehrere Studierende. Beispielsweise Mariella Balonier. Sie suchte vier Wochen eine Wohnung, bis sie nach fünf Castings in eine WG aufgenommen wurde. „Man braucht einfach viel Glück und viel Geld“ betont Paul. Der 23-Jährige konnte zwar relativ problemlos eine Wohnung in Tübingen finden. Trotzdem kennt er die Schwierigkeiten seiner Kommiliton(inn)en bei der Suche nach einer Bleibe.

Wer in Tübingen einschließlich seiner Teilorte ein Baugrundstück hat, das er unbebaut lässt, bekommt jetzt Druck von Oberbürgermeister Boris Palmer. Er will das Baugebot anwenden. Das heißt: Die Grundstückseigentümer werden aufgefordert, innerhalb der nächsten zwei Jahre ein Baugesuch einzureichen und innerhalb von vier Jahren zu bauen. Falls sie das nicht können oder wollen, können sie ihr Grundstück auch verkaufen – die Stadt bietet an, dafür den Verkehrswert zu zahlen. Und falls auch das nicht geschieht, droht letztendlich die Enteignung.

Über die Hälfte der befragten Studierenden hat zu diesem Vorstoß des Oberbürgermeisters keine Meinung. Etwa jeder Dritte begrüßt die Durchsetzung des gesetzlich legitimierten Baugebots. „Es ist ein notwendiger Schritt, um den Tübinger Wohnungsmarkt zu entlasten“, sagt Luka (26). Auch Antje Langer ist in Einzelfällen für die konsequente Anwendung des Baugebots. Und verweist auf ein Grundstück in ihrer Nachbarschaft, auf dem sich schon seit Jahren eine Baugrube befindet. Larissa tut sich schwer mit einem eigenen Urteil zu Palmers Versuch, die Wohnungsnot in Tübingen zu lindern. „Eigentlich bin ich schon eher dagegen“, sagt die 24-Jährige. Michael Schwenkschuster hat eine klare Meinung zu Palmers Position: „Ich bin dagegen. Ich glaube nicht, dass das einen Sinn hat.“

Selina Maier, Schülerpraktikantin im SCHWÄBISCHEN TAGBLATT

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Erstellt:
5. Juni 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Juni 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Juni 2019, 01:00 Uhr

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