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Gut lesbar und einprägsam

Tübinger Typografien: Ehrlich währt die Kaufmann-Schrift

14.08.2019

Das Tübinger Hanseatica in der Hafengasse ziert schon von Beginn an die für die Nachkriegszeit typische Leucht- und Neonreklame-Schrift Kaufmann. Bild: Barbara Honner

Das Hanseatica in der Hafengasse 2, in dem in den 1950er-Jahren noch ein Milchgeschäft beheimatet war, stellt sich seit nunmehr fast 60 Jahren erfolgreich gegen jeden gestylten „Coffee-Shop“-Trend.

Vielleicht liegt es daran, dass dieses Steh-Café seit seiner Eröffnung am 1. August 1959 nur zwei Besitzerwechsel erlebte. Von 1967 bis 1999 von Erika Baumeister geleitet, hatte es mit den Damen Gebauer und Hirschmüller zwei unbestechliche Kaffeezubereiterinnen an Bord. Der Kaffee hatte nicht modisch, sondern verlässlich gut zu sein. Der Service nicht devot, sondern korrekt.

1999, als das Trio das Café aus Altersgründen aufgab, hat das „Hanse“ – Gott sei Dank! – durch die einfühlsame Besitzerin Yvonne Hammer überlebt. Und mit ihr blieb auch die inzwischen historische Aufschrift über dem großen Schaufenster. Die Kursive war von Anbeginn Teil des Logos jener „Kaffee-Import-Großrösterei-Hamburg-Karlsruhe“, die ab 1959 mehr als 100 Filialen in Deutschland eröffnete und auch Teespezialitäten vertrieb.

Die Schrift des Hanseatica selbst ist nur gut zwanzig Jahre älter als die Gründung der Filiale in der Tübinger Altstadt. 1936 gestaltete sie der amerikanische Typograf Max R. Kaufmann. Er arbeitete für die renommierte Frauenzeitschrift „McCall’s“, die in den 1960er-Jahren immerhin sechs Millionen Leserinnen erreichte. Für das Hanse wurde die Schrift allerdings ein wenig abgewandelt beziehungsweise vereinfacht. Das große „H“ büßte seine hübsche Schleife ein und das kleine „s“ ließ man in einer unpassenden Druckschriftversion erscheinen. Sein holperiger Anschluss vorher und nachher verrät uns, dass hier etwas nicht stimmt. Warum es so ist, werden wir nicht mehr herausfinden.

Trotzdem ist die Kaufmannsche Herkunft signifikant. Die 1930er-Jahre-Schrift ist ein Klassiker, gut lesbar, präzise und einprägsam. Verbreitung fand sie in Deutschland vor allem als Schrift für die typische Leucht- und Neonreklame der 1950er- und 1960er-Jahre. Und auch ein halbes Jahrhundert danach bringt sie es mit ihrem Retro-Touch immer noch fertig, ehrlich zu erscheinen. Barbara Honner

Unter dem Titel „Altstadtschriften: Tübinger Typografien“ hat Barbara Honner beim Bürger- und Verkehrsverein eine umfassende und reich bebilderte Studie veröffentlicht.

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Erstellt:
14. August 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
14. August 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 01:00 Uhr

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