Milch ist ganz falsch

Was tun, wenn man im Garten einen Igel entdeckt?

11.11.2020

Waltraud Hoyer ist ehrenamtliche Igelberaterin des NABU Metzingen, hier mit Igel-Kugel. Bild: Gabriele Böhm

Wer um diese Jahreszeit einen Igel in seinem Garten findet und Tierfreund ist, möchte oft wissen, ob es ihm gut geht oder man etwas für ihn tun kann. Waltraud Hoyer, Igelexpertin beim Naturschutzbund Metzingen, betreut die netten Stacheltiere seit 15 Jahren und gibt nützliche Tipps, was bei der Erstversorgung zu tun ist. Zur weiteren Information über die Materie empfiehlt sie die Internetseite pro-igel.de.

Igel gehen in den Winterschlaf und müssen sich vorher ein entsprechendes Gewicht angefuttert haben. „Unter 500 Gramm ist ein Igel akut hilfsbedürftig“, so Waltraud Hoyer. Möchte man dem Igel helfen, solle man ihn daher mit Handschuhen oder einem Tuch hochnehmen, in eine Schüssel setzen und wiegen. Bringt das Tierchen 600 Gramm auf die Waage, könne man es bedenkenlos wieder in den Garten setzen. Im Übrigen müsse man keine Bedenken haben, dass der Igel durch diese Prozedur den menschlichen Geruch annehmen und von der Mutter verstoßen werden könne. „Um diese Jahreszeit kümmert sich die Igelmutter nicht mehr um ihre Jungen, sondern nur noch um sich selbst“, erklärt die Igelexpertin. Maximal sechs bis sieben Wochen seien die Jungen bei der Mutter.

Unter 600 Gramm Körpergewicht allerdings komme ein Igel nicht durch den Winter. Zur Erstversorgung, so Hoyer, solle man den kleinen Mecki in einen ausbruchssicheren, mindestens 40 Zentimeter hohen Karton oder Wäschekorb setzen. „Man darf nicht unterschätzen, wie lang Igel sich strecken können, deshalb soll die Box ausreichend hoch sein.“ Der Boden wird mit Zeitungen, Lappen oder Handtüchern ausgelegt, weitere Zeitungen werden zum Verstecken ausgebreitet. Wichtig sei auch Wärme, mindestens eine Temperatur von 18 bis 20 Grad. Genauso nötig sei Wasser, das in einem kippsicheren Gefäß in den Karton gestellt wird. „Leider glauben noch immer viele, dass Igel Milch brauchen“, so Waltraud Hoyer. Doch das sei absolut falsch. „Milch verursacht schwere Durchfälle und kann den Igel das Leben kosten.“

Als Futter könne als Soforthilfe Katzen- oder Hundefutter, trocken oder feucht, genommen werden – bevor man sich mit der Igelthematik weiter auseinandersetze. Übrigens bestehe für den Menschen keine Gefahr, sollte der Igel Flöhe haben. Die bleiben auf dem Stacheltier. Auch eine Geruchsbelästigung müsse man nicht fürchten. „Wenn die Tiere richtig gefüttert werden, sind sie geruchlos.“ Waltraud Hoyer und viele ihrer Igelpfleger/innen halten die Tiere direkt im Wohnzimmer.

Ist man unsicher, ob der Igel gesund oder krank ist und vielleicht doch medizinische Behandlung brauche – da helfen einem Tierarzt, Tierklinik oder Tierheime weiter. Die geben auch Tipps, wenn man einen Igel selber aufpäppeln möchte. Gabriele Böhm

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Erstellt:
11. November 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
11. November 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. November 2020, 01:00 Uhr

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