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Aus der Luft und zu Fuß (56)

Schwalldorf

Wer es gerne so richtig, richtig ruhig haben möchte, der sollte sich in Schwalldorf niederlassen.

05.12.2018

Von Andrea Bachmann

Bilder: Erich Sommer

Im Gegensatz zu allen anderen Orten rund um Rottenburg leben hier tatsächlich weniger Menschen als vor etwa 150 Jahren: 1858 zählte man hier 783 Seelen, 2013 waren es 763. Das Dorf auf der Gäuhochfläche liegt idyllisch, aber abgelegen abseits größerer Straßen. Einen Bahnhof gibt es nicht, der nächste ist in Bieringen. Gegenüber der Bieringer Bahnstation führt ein Weg durch den Wald hoch nach Schwalldorf, etwa anderthalb Kilometer lang und nur für den land- und forstwirtschaftlichen Verkehr freigegeben. Im Winter wird er nicht einmal geräumt. Busse verkehren unter der Woche tagsüber im Stundentakt, am Samstag alle zwei Stunden und am Sonntag bleibt man besser daheim. Auch virtuell war Schwalldorf lange ein abgelegener Außenposten: Erst 2010 wurde ein Glasfaserkabel verlegt, was den Einwohnern, die bis dahin mit Modem und ISDN vorlieb nehmen mussten, immerhin satte 50 Mbit/s bescherte. Aber schön ist der Ort, der viel reizvolle Landschaft sowie Ausblicke ins Neckartal und auf die Alb zu bieten hat.

Vermutlich leben hier schon seit dem 7. oder 8. Jahrhundert Menschen, aber erst 1100 wird ein Fridericus von Swaldorf im Hirsauer Codex erwähnt. Und 1304 beschenkte ein Vogt der Grafen von Hohenberg, Heinrich der Amman, das Dominikanerinnenkloster Kirchberg mit einem Gut zu Schwalldorf. Etwa 50 Jahre später ist zum ersten Mal von einer Kapelle die Rede, die 1507 zu einer Pfarrkirche erhoben wird. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts reichte diese Kapelle nicht mehr aus, und so baute man an ihrer Stelle die barocke Andreaskirche mit ihrem hübschen Zwiebeltürmchen.

1936 wurde die Kirche auf eigentümliche Weise vergrößert: Man riss den Chor ab, verlängerte das Langhaus um stolze zwölfeinhalb Meter nach Osten und baute einen neuen Chor, der genauso aussah wie der alte von 1733. Rottenburger Gipsermeister und der Rottenburger Kirchenmaler Johannes Wohlfahrt sorgten für die Rekonstruktion von Stuck und Deckenbildern im Stil der Erbauungszeit und 1937 konnte die neue alte Kirche von Bischof Johann Baptista Sproll wieder eingeweiht werden.

Auf dem Schwalldorfer Wappen, das 1952 angefertigt wurde, sieht man in der Mitte einen blauen Wellenbalken, der auf den Ortsnamen hinweisen will, der sich angeblich einem Schwallbrunnen verdankt. Ob das stimmt oder ob eher eine Schwalbe das Dorf zu einem Schalldorf machte, lässt sich nicht mehr sagen, aber Wasser bereitete der Kirche schon Ende des 19. Jahrhunderts Probleme. Da wurde an einer Chorwand eine Blechplatte angebracht, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen. 1985 mussten Turm und Kirchendach erneuert werden und zur Entfeuchtung des Mauerwerks brachte man eine Drainage an. Schon fünf Jahre später mussten die Fundamente ein weiteres Mal trockengelegt werden.

2004 feierte man 700 Jahre Schwalldorf und gab zu diesem Anlass ein Heimatbuch heraus. Hier merkt man, wie sehr sich Sachwalldorf trotz aller Abgeschiedenheit mitten im (Welt-)geschehen befand: Weder die Hexenverfolgungen noch der Dreißigjährige Krieg gingen spurlos an Schwalldorf vorüber, 1681 waren von den 40 Häusern 14 verwaist. Und 1792 kam ein Schustergeselle nach Schwalldorf und berichtete von der Französischen Revolution: „Dabei schimpfte er über die deutsche Verfassung und warf mit Spitzbuben und Hundsföttern in französischer Sprache um sich“, weiß die Oberamtsbeschreibung von 1899.

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Erstellt:
5. Dezember 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Dezember 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Dezember 2018, 01:00 Uhr

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