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Leben retten

Wichtige Fragen zum Thema Organspende

Zwei Expertinnen berieten am vergangenen Donnerstag in einer Telefonaktion Leser/innen des TAGBLATT ANZEIGERs zum Thema Organspende.

11.09.2019

Unterschreiben oder nicht? Jetzt muss sich jede/r für oder gegen einen Organspendeausweis entscheiden. Bild: Berliner Pressebüro

Jeder Mensch kann in die Situation kommen, auf ein Spenderorgan angewiesen zu sein. Die Warteliste für ein Spenderorgan ist sehr lang. Deshalb ist es dringend geboten, dass sich mehr Deutsche für eine Organspende entscheiden. Doch bei Vielen besteht noch Unsicherheit. Leser/innen unserer Zeitung hatten die Gelegenheit, Beate Gray und Silke Singer vom Info-Telefon der Deutschen Stiftung Organtransplantation und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Fragen zu diesem Thema zu stellen. Hier nun Einiges zum Nachlesen:

Ich werde mir einen Organspendeausweis holen und mit „Ja“ ausfüllen. Doch was ist, wenn ich meine Entscheidung rückgängig machen möchte? Muss ich das dann irgendwo abmelden?

Zum einen: Sie werden als Organspender nicht registriert. Zum anderen: Wenn Sie Ihre Entscheidung von „Ja“ auf „Nein“ ändern möchten, vernichten Sie einfach Ihren Organspendeausweis. Da nichts registriert ist, müssen Sie auch nichts abmelden.

Seit vielen Jahren habe ich einen Organspendeausweis. Ich frage mich aber, ob das mit meinen 84 Jahren noch Sinn macht.

Ja, das macht auf jeden Fall Sinn. Denn es gibt keine feste Altersgrenze für Organspender. Entscheidend ist immer das biologische, nicht das kalendarische Alter. Ob gespendete Organe oder Gewebe für eine Transplantation geeignet sind, kann ohnehin erst im Fall einer tatsächlichen Spende medizinisch überprüft werden. Der älteste Organspender war 98 Jahre alt.

Als Blutspenderin bin ich untauglich. Bin ich das dann als Organspenderin auch?

Da zwischen der Blutspendentauglichkeit und der Organ- und Gewebesendetauglichkeit kein kausaler Zusammenhang besteht, muss das nicht so sein. So kann zum Beispiel eine Person aufgrund eines Eisenmangels zwar kein Blut spenden, eine Organ- und Gewebespende schließt dies jedoch erst einmal nicht aus.

Ich las, dass man mit einem Organspende-Ausweis sogar mehrere Leben retten kann? Ist das richtig?

Ja. In der Regel können einem Verstorbenen drei Organe entnommen werden. Im Durchschnitt hilft also ein Organspender drei Menschen – entweder zu überleben oder eine erheblich verbesserte Lebensqualität zu erreichen.

Kann man sich immer ganz sicher sein, was den Hirntod betrifft? Wie wird der denn festgestellt?

Der Hirntod lässt sich durch eine Serie vorgeschriebener Untersuchungen zweifelsfrei feststellen. Die Sicherheit der Diagnose beruht auf einem dreistufigen Untersuchungsschema sowie speziellen Anforderungen an die Qualifikation, Neutralität und Zahl der untersuchenden Ärzte. Der Hirntod wird definiert als Zustand der irreversibel erloschenen Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms.

Ich habe Angst, dass man für jemanden, der Organspender ist, nicht mehr alles Menschenmögliche im Fall des Falles tut, um ihn zu retten. Ist das begründet?

Nein, ganz und gar nicht. Denn ein Arzt ist immer vorrangig am Überleben und an der Genesung „seines“ Patienten interessiert und nicht am Wohlergehen eines eventuellen Organempfängers. Dazu ist er aufgrund seines hippokratischen Eides verpflichtet. Sie müssen also diesbezüglich keine Befürchtungen haben.

Gibt es für die Organspende Geld? Oder werden wenigstens die Bestattungskosten bezahlt?

Weder noch, denn das Transplantationsgesetz schreibt vor, dass die Spende ausschließlich auf einer freien, humanitären Entscheidung beruhen soll.

Mein Mann lehnt aus vielerlei Gründen Organspende ab. Ich bin dafür. Sollte ich ihn informieren, dass ich mich dafür entschieden habe?

Einmal abgesehen davon, dass es sich hierbei um Ihre ureigene Angelegenheit handelt, ist es ist immer besser, wenn die Angehörigen Ihre Entscheidung kennen. Auch wenn Ihr Mann gegen eine Organspende ist, hat in jedem Fall Ihr Wille Vorrang. Ist Ihr Einverständnis dokumentiert, so ist eine Organentnahme rechtlich zulässig.

Ist die Kirche generell gegen eine Organspende? Ich kenne sehr religiöse Menschen, die das ablehnen.

Weder die katholische, noch evangelische Kirche, noch der Zentralrat der Muslime lehnen Spenden ab. Im Gegenteil, sie befürworten die Organspende als Akt der Nächstenliebe gegenüber Kranken und Behinderten. BZgA

Weitere Informationen gibt es beim gebührenfreien Infotelefon Organspende unter der Nummer 0800/90 40 400. Dort können auch kostenlos Organspendeausweise und Informationsmaterial angefordert werden.

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Erstellt:
11. September 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
11. September 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. September 2019, 01:00 Uhr

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