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Wie Schimmelspürhunde arbeiten
Bei Schimmel gibt es Leckerli

Wie Schimmelspürhunde arbeiten

Ständige Erkältungen, Juckreiz, Husten oder Schlaflosigkeit und der Arzt hat keine Erklärung? Es könnte am Schimmelbefall des Wohn- oder Arbeitsraums liegen, wissen Katharina und Sebastian Mayer aus Hechingen.

10.01.2018

Die Diplom-Dolmetscherin und der Diplom-Sachverständige für Immobilienbewertung haben sich auf das Aufspüren von Schimmel spezialisiert. Unerlässliches Hilfsmittel dabei: ihre beiden Labrador-Retriever Josy und Emily.

Wie hat alles begonnen?

Sebastian Mayer: Durch meinen Beruf als Sachverständiger hatte ich häufig mit dem Problem des unerkannten Schimmelbefalls zu tun. Da Hunde das Hobby von meiner Frau und mir sind und wir dies mit etwas Sinnvollem verbinden wollten, haben wir Josy und Emily im Ausbildungs- und Prüfungszentrum für Schimmelspürhunde in Hambrücken bei Karlsruhe ausbilden lassen.

Wie kann man sich die Ausbildung vorstellen?

Katharina Mayer: Sie dauert ein Jahr und erfolgt spielerisch. Zwei Gläser, das eine mit, das andere ohne Schimmel, werden zu Beginn der Ausbildung in einem Raum versteckt. Sobald sich der Hund aus Neugier für den Schimmel interessiert, erfolgt die Belohnung. Er weiß dann: Wenn er Schimmel findet, gibt es ein Leckerli. Das nennt sich positive Konditionierung. Wenn die Hunde eingesetzt werden, bekommen sie von uns ein spezielles Halstuch mit Klettverschluss. Wenn sie diesen hören, wissen sie, sie sind gefordert. So verhindert man, dass die Hunde ständig unter Strom stehen.

Wie zeigen die Hunde an, dass sie Schimmel entdeckt haben?

Sebastian Mayer: Josy legt sich hin und weist mit der Nase darauf. Wenn ich sie dann frage: „Wo?“ stupst sie die Nase exakt auf die Stelle. Das kann eine Wandfläche sein oder eine Schranktür, durch die Schimmelsporen ausströmen. Emily zeigt die Stelle mit ihrer Pfote an.

Wer sind Ihre Auftraggeber?

Sebastian Mayer: Beispielsweise Leute, die eine Immobilie kaufen und vorher sicher sein möchten, dass keine Schimmelschäden vorliegen. Schimmel kann sich hinter Möbeln oder unter dem Estrich verbergen. Es gibt Fälle, wo ein Mensch absolut nichts sieht oder riecht. Mit einer Raumluftmessung kann man feststellen, ob Schimmelsporen in der Luft sind, aber nicht, wo die Quelle liegt. Ein ausgebildeter Spürhund zeigt diese dagegen exakt an.

Katharina Mayer: Die Aufträge kommen auch von Sanierungsfirmen, die uns hinzuholen oder von Personen mit Atemwegserkrankungen und Allergien. Wir erstellen ein Protokoll mit Fotos und Thermographie-Aufnahmen und geben Empfehlungen zum weiteren Vorgehen. Je länger man mit der Schimmelbekämpfung wartet, desto größer werden die Schäden.

Welche Gebäude sind besonders betroffen?

Sebastian Mayer: Schimmel braucht Feuchtigkeit und entsteht oft dort, wo in den Gebäuden feuchtwarme Luft auf kalte Wände trifft und sich Kondenswasser bildet. Es sind nicht unbedingt Altbauten, bei denen das der Fall ist. Neubauten werden häufig als komplexes System erstellt. Wenn dort bei Fenstern, Installationen oder der Dachdämmung ein Fehler passiert, kann es auch hier zu Schimmelbildung kommen. Wichtig ist, die Fenster mehrmals täglich zum Lüften ganz zu öffnen, wenn es draußen kälter ist als drinnen. Kippen ist nicht Lüften.

Wann setzen Sie die Hunde ein?

Katharina Mayer: Zuerst führen wir ein Gespräch mit den Hausbewohnern, in dem es um Kältebrücken oder schon vorhandene Beschwerden geht. Erst nach Feuchtigkeits- und Temperaturmessung sind die Hunde im Einsatz. Immer beide nacheinander, um eine Gegenkontrolle zu haben. Gegebenenfalls nehmen wir dann Proben für das Labor. Wir brauchen für ein Einfamilienhaus etwa 3 bis 4 Stunden.

Wie entsteht denn ein Verdacht auf Schimmelbefall?

Sebastian Mayer: Bei einer Familie gab es ein Kleinkind, das einfach nicht krabbeln wollte. Dort haben wir unter dem Teppichboden Schimmel entdeckt. In einem anderen Fall ging es einer Frau immer schlecht, wenn sie längere Zeit zu Hause war. Sie war dauernd erkältet und hatte permanent Kopfschmerzen und Atemnot. Auch hier konnten wir helfen. Schimmelsporen sind im Prinzip überall in der Luft. Gefährlich wird es dann, wenn die Konzentration zu hoch ist.

Katharina Mayer: Es gibt unterschiedliche Arten von Schimmel, von denen manche schon in ganz geringer Dosierung Krankheiten auslösen können. Viele Schulen und Kindergärten lassen daher von uns die Räumlichkeiten prüfen.

Ist die Arbeit für die Hunde anstrengend?

Sebastian Mayer: Ja, die Hunde sind dabei sehr konzentriert. Wir können pro Tag nur einen Auftrag übernehmen. Die Hunde sind auch nicht länger als eine Viertelstunde am Stück im Einsatz. Labrador Retriever sind sehr geeignet, weil sie ein freundliches, ruhiges Wesen haben und den Menschen keine Angst machen. Sie wollen gerne arbeiten und gelobt werden.

Das Interview führte Gabriele Böhm

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10.01.2018, 01:00 Uhr
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