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Nach Corona kommt das Kino

Wie es den Kinos im Kreis Tübingen in der Corona-Krise geht

Das Kino wird vermisst. Laut einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens S&L Research würden 69 Prozent aller Befragten sehr wahrscheinlich nach der Corona-Krise wieder ins Kino gehen – deutlich mehr als zu Sportveranstaltungen (28 Prozent) oder in Freizeitparks (29).

13.05.2020

Corona-mäßig wäre diese Publikumsdichte in Ordnung, wirtschaftlich lohnen würde sich gar nicht. Kino-Geschäftsführer Martin Reichart im 400-Personen-Saal im Museum. Archivbild: Anne Faden

Während man in Hessen, Sachsen und Schleswig-Holstein ab nächster Woche wieder Filme im Kino anschauen kann, steht die Kinoöffnung in Baden-Württemberg allerdings noch in den Sternen.

Stefan Schlegel, Inhaber der Lichtspiele Mössingen, hätte sich eine bundesweit einheitliche Regelung gewünscht. „Wir haben doch gar keine Filme, die wir zeigen können! Solange nicht in ganz Deutschland die Kinos öffnen, werden die Verleiher ihre Filme zurückhalten.“ Außerdem seien die Hygieneregeln einem schönen Kinoabend nicht gerade zuträglich. „Diese ganzen Auflagen sind doch ein Witz! Und je früher wir aufmachen, desto schlimmer ist es mit den Regeln.“ Dabei nimmt Schlegel die Situation noch relativ gelassen hin. Er habe kein Personal, sondern mache alles selbst, das Haus gehöre ihm und von der MFG (Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg) hat er finanzielle Unterstützung bekommen. „Das reicht für drei Monate.“ Sein Publikum sei eher älter, eher weiblich, eher bildungsaffin, das komme im Sommer sowieso selten ins Kino. Im Juli macht Schlegel deshalb immer Urlaub. Während der bisherigen Schließzeit hat er renoviert und alte Filme auf DVD angeschaut.

Auch Dieter Betz vom Kino Arsenal kann sich keinen „Indoor-Kinosommer“ vorstellen. „Wer will schon mit Mundschutz alleine im Kino sitzen?“ Die Hygieneauflagen hätten auch wirtschaftliche Folgen. „Wenn die Zuschaueranzahl stark begrenzt ist, lohnt sich das für uns kaum. Wir brauchen die ausverkauften Vorstellungen am Wochenende.“ Zur Zeit hätten sie noch ein bisschen Geschäft mit dem von Carsten Schuffert gestarteten Autokino auf dem Festplatz und demnächst auch wieder die Außengastronomie im Café Haag. Zu Beginn der Krise sei auch die Unterstützung mit dem Kauf von Kinogutscheinen wirklich gut gelaufen. „Wir sind noch ziemlich optimistisch und gehen davon aus, dass wir irgendwie durchkommen, aber ein Jahr lang halten wir das nicht durch.“ In der Zwischenzeit wird renoviert, das Arsenal bekommt einen neuen Boden und einen neuen Tresen. „Halt das, was wir selber machen können – wir haben ja kein Geld.“

Martin Reichart, der Geschäftsführer der Vereinigten Lichtspiele, zu denen das Kino Museum und die Blaue Brücke gehören, ist richtig pessimistisch. Die Kinos träfe es von allen Kulturbetrieben besonders hart, weil sie kaum Fördergelder bekämen. Die Corona-Soforthilfen seien ein Tropfen auf den heißen Stein. Und ein Öffnungstermin ist noch lange nicht in Sicht. „Wenn die Ansteckungsquoten wieder steigen, bleiben die Kinos noch lange geschlossen.“ Auch er sieht ein Problem in den fehlenden Filmen und denkt gleich europaweit: „Italien will seine Kinos bis zum 31. 12. geschlossen halten. Da frage ich mich, ob es dann im November überhaupt einen James Bond gibt. Die Verleiher werden ihre Ware einfach zurückhalten.“ Und mit nur 80 Leuten in einem 400-Personen-Saal, dafür aber mehr Personal für Reinigung und Einlass – ob das so sinnvoll sei?

Aber die Umfrage stimme ihn zuversichtlich. „Wir hoffen natürlich, dass die Leute nach der Krise das Gemeinschaftserlebnis vor der großen Leinwand wieder schätzen. Nach Corona kommt das Kino!“

Auch bei Elmar Bux im Rottenburger Waldhorn-Kino ist die Stimmung gedämpft und die Unsicherheit groß. „Das Kino ist sicherlich nicht in Gefahr, aber wir sind so fremdbestimmt“, meint er. „Wenn wir einen Termin hätten, könnten wir planen.“ Er würde auf alle Fälle wieder öffnen, auch ohne aktuelle Filme und mit nur 28 Einzelplätzen. Die seien vor allem für die Kleinkunstveranstaltungen, die Bux auch im Programm hat, ein Problem. Für Kabarett und Co. brauche es für die Stimmung einen vollen Saal, nicht nur aus finanziellen Erwägungen. Darüber würde er mit den einzelnen Künstlern reden. „Mir geht es gar nicht so ums Geld – ich möchte einfach den Laden am Laufen halten. Im Moment bin ich eher im gebremsten Modus.“ Andrea Bachmann

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Erstellt:
13. Mai 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Mai 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Mai 2020, 01:00 Uhr

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