Der Kommentar

Wintergetreide im Dachsmonat

07.10.2020

Von Martina Fischer

Der Oktober hat seinen Namen daher, weil er im altrömischen Kalender, der mit dem März begann, der achte Monat war; entlehnt aus dem Lateinischen „mensis october“, octo = acht. Nach der römischen Kalenderreform unter Julius Caesar, die das Jahr mit dem Januar beginnen ließ, blieb der Name auch für den nunmehr zehnten Monat erhalten.

Der Oktober heißt zur Unterscheidung vom September auch der „andere Herbst“ oder der „Zweite Herbstmonat“. Gleich wie der September wird er aber auch mancherorts Sämonat genannt, weil das Wintergetreide auch jetzt noch ausgesät werden kann. Die Jäger nennen ihn Dachsmonat, weil der Dachs jetzt ordentlich Fett angesetzt hat, das man in der Volksmedizin gegen allerlei Hautkrankheiten sehr schätzte.

Das Namensfest des Heiligen Gallus am 16. Oktober war allgemein ein Schlachttag, denn ab dann war es kühl und Fleisch und Wurst konnten nicht mehr verderben. Der Volksmund sprach deshalb (wie vom November) auch vom Schlachtmonat.

Für die Witterung war St. Gallus ein wichtiger Lostag, der auch als Winteranfang gilt: St. Gallen lässt den Schnee fallen, Nach St. Gall bleibt die Kuh im Stall. Heute endet die Nachtweide („Auchtweide“) und der Nachthirte („Auchter“) muss nicht mehr frieren. Auch sollte bis zum Gallentag die Obsternte beendet sein. Äpfel und Birnen, die jetzt noch an den Bäumen hingen, gehörten der Dorfjugend und man durfte sie „gallen“ (nachlesen). Der altdeutsche Name Gilbhart, wie der Oktober in alten Bauernkalendern vermerkt ist, hat seinen Wortstamm den gelbgefärbten Blättern des Herbstes zu verdanken („reich an Gelbem“).

Die Kirchmesse (Kirmes), Kirchweihe (Kirwe, Kilbe) oder der Kirchtag (Kirta) ist ursprünglich das Erinnerungsfest der Kircheneinweihung, die zugleich auch der Festtag des Kirchenpatrons (Patrozinium) sein konnte. Da aber die weltliche Feier die kirchliche bald überwog, fasste man die vielen üppigen und ausgelassenen Feste der einzelnen Dörfer auf den 3. Oktobersonntag zusammen, an dem der Bauer, die Bäuerin und das Gesinde gleich drei Tage lang den Ausklang des Erntejahres feierten. Zugleich durfte dann wieder nach der sommerlangen Tanzpause ausgiebig getanzt werden.

Zum Artikel

Erstellt:
7. Oktober 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
7. Oktober 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. Oktober 2020, 01:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.