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Rettet die Nacht

Das Projekt Sternenpark Schwäbische Alb kämpft für weniger Kunstlicht am nächtlichen Himmel

„Rettet die Nacht“ – so heißt die Wanderausstellung der Initiative „Sternenpark Schwäbische Alb“, die sich vor allem für eine umweltgerechte Außenbeleuchtung einsetzt. Der TAGBLATT ANZEIGER sprach mit dem Tübinger Till Credner, Astrophysiker, Physiklehrer und Mitstreiter des Sternenpark-Projektes. (Siehe auch Veranstaltungsseite 13.)

11.01.2017
  • Angelika Brieschke

Herr Credner, warum wollen Sie die „Nacht retten“?

Bei uns gibt es in der Nacht zu viel sinnlos abgestrahltes Licht. Wir können den nächtlichen Sternenhimmel kaum richtig sehen. Aber es geht nicht nur um Sternenbeobachtung: Es gibt viele Studien, die zeigen, dass zu viel Kunstlicht in der Nacht schädlich ist für Tiere, Pflanzen und auch für uns Menschen. Vor allem Licht mit vielen Blauanteilen hat nachts einen schlechten Einfluss auf unseren Körper und seinen Hormonhaushalt.

Was möchten Sie ändern?

Unser Ziel ist es, in der gesamten Region die Lichtverschmutzung und ihre negativen Folgen zu verringern. Wir möchten einen möglichst natürlichen Himmel. Nicht einfach ganz dunkel, das wäre nicht realistisch. Es ist aber nicht allein damit getan, möglichst effiziente Leuchtmittel zu verwenden. Wir wollen möglichst zielgerichtetes Licht, das nicht direkt nach oben verschwendet wird, sondern dorthin leuchtet, wo es gebraucht wird: nach unten. Der Abstrahlwinkel einer guten Straßenbeleuchtung sollte nicht flacher als 20 Grad von der Horizontalen sein. Zu flache Abstrahlung führt zur Blendung und Licht nach oben ist reiner Verlust. Das ist einfach eine Art Umweltverschmutzung – und Energieverschwendung.

Wie wollen Sie das erreichen?

Durch eine umweltgerechte Außenbeleuchtung. Das Wichtigste dabei ist eben eine Beleuchtung, deren Licht richtig gelenkt wird, also dorthin, wo etwas gesehen werden soll.

Viele Kommunen rüsten inzwischen ihre Straßenlampen auf LED-Beleuchtung um, aus Energie- und Kostengründen. Dabei sollte man aber auch darauf achten, dass die Leuchten voll abgeschirmt sind. LED-Straßenbeleuchtung, die auch in falsche Richtungen scheint, ist leider sehr verbreitet, auch im Kreis Tübingen.

Was können denn Otto-Normalverbraucher tun?

Viele kaufen sich ihre Außenbeleuchtung im Baumarkt. Das ist dann meist eine Lampe für draußen, die vor allem viel Licht abgibt – in alle Richtungen.

Man kann zum einen darauf achten, dass die Außenleuchten auf jeden Fall nach oben und zur Seite abgeschirmt sind. Und zum anderen sollte man darauf achten, dass das Licht ohne Blauanteil ist, am besten eine warm-weiße Lichtfarbe mit maximal 3000 Kelvin. So werden auch weniger Insekten angelockt. Kurz zusammengefasst: voll abgeschirmt, warm-weiß, maßvoll und energieeffizient!

Das Projekt Sternenpark bietet regelmäßig öffentliche Himmelsbeobachtungen bei Nacht an. Wo?

Wir haben einen festen Beobachtungsplatz bei Römerstein-Zainingen im Biosphärengebiet Schwäbische Alb, bereitgestellt von der dortigen Gemeinde.

Was wäre denn ein guter Beobachtungsplatz im Kreis Tübingen?

Im Kreis Tübingen??? Also das ist jetzt nicht so einfach, (lacht).

Wenn man einen einigermaßen guten Himmel haben will, dann muss man schon auf die Schwäbische Alb. Der Rossberg geht so, viel besser ist es im Lautertal.

Und was auch nicht schlecht ist, ist der Schönbuch. Aber da hat man schon eine Beeinträchtigung durch Stuttgart und die Fildern. Und vor allem durch den Flughafen. Der ist am hellsten, den merkt man auch von der Alb aus.

Sie haben eine Wanderausstellung für Ihr Anliegen erstellt?

Ja, die Ausstellung „Rettet die Nacht“ gibt es schon seit 2012. Sie wird aber ab und zu aktualisiert und etwas an den jeweiligen Ausstellungsort angepasst, zum Beispiel durch lokale Fotos, die die Dominanz des Kunstlichtes in der Region zeigen. Am kommenden Freitag wird sie um 19 Uhr in der Herrenberger Stadtbibliothek eröffnet.

Interview: Angelika Brieschke

Das Projekt „Sternenpark Schwäbische Alb“ ist eine private und ehrenamtliche Initiative. Momentan hat die Gruppe rund ein Dutzend Mitglieder. Das Kernteam bilden derzeit Till Credner, Matthias Engel und Carsten Przygoda.

www.sternenpark-schwaebische-alb.de

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11.01.2017, 01:00 Uhr
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