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Marcus Hammerschmitt ist Science-Ficton-Autor
Der Tübinger Autor Marcus Hammerschmitt. Bild: Schmidt
Geschichtenerzähler am Lagerfeuer

Marcus Hammerschmitt ist Science-Ficton-Autor

Marcus Hammerschmitt ist ein Tübinger Autor, der sich vor allem im Bereich der Science Fiction einen Namen gemacht hat.

31.10.2018

Neben dem Schreiben fotografiert der gebürtige Saarländer leidenschaftlich und arbeitet als Journalist. Hammerschmitts Romane sind originell. Achtzehn Bücher sind bereits von ihm erschienen, geschrieben hat er jedoch mehr.

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Was war Dein letzter veröffentlichter Roman?

Marcus Hammerschmitt: „H0 – ein Deutschland-Märchen“, erschienen bei dem Berliner Ebook Verlag „Das Beben“.

Um was geht es?

Eine nicht besonders erfolgreiche Mediendesignerin wird aus dem Nichts heraus angerufen und kurz darauf abgeholt. Da sie einen Vorschuss erhält, steigt sie tatsächlich in das Auto und wird nach Ludwigsburg gefahren. Dort eröffnet ihr ein gewisser Herr Arendt, dass es eine Investorengruppe gibt, die beschlossen hat, ganz Deutschland im H0-Maßstab, 1 zu 87 nachzubauen. Das etwa elf Kilometer lange Modell soll auf einem Militärgelände in Westfalen errichtet werden. Sie soll für zwei Millionen im Jahr die Pressesprecherin des Unternehmens werden. Trotz anfänglicher Zweifel, nimmt sie das Angebot letztlich an. (lächelt) Alles weitere wird nicht verraten.

Was reizt Dich am Science-Fiction-Genre?

Das Genre hat Möglichkeiten, die Standardliteratur so nicht hat. Es wird nicht nur ermöglicht, dass die Fantasie über die Stränge schlägt, sondern erwartet. Also besteht eine große Freiheit der Spekulation. Mit einer nahezu unbegrenzten spielerischen Freiheit lässt sich der Wirklichkeit der Spiegel vorhalten, verfremdet durch die Zukunft, eine Parallelwelt oder ähnliches. Man kann so viel machen. Es ist, als wäre man ein Schachspieler mit neuen Zügen.

Versteht der Leser die Dinge besser, wenn er durch einen Spiegel blickt?

Ja. Das nenne ich die satirische Aufgabe der Science Fiction, weil sie an der Stelle tatsächlich ganz ähnlich wie Satire funktioniert. Die leichte Entfremdung entstellt die Realität zur Kenntlichkeit.

Du bist ein politischer Mensch. Bist du auch ein politischer Autor?

Ganz sicher. Wenn man darunter nicht versteht, Propaganda-Reden zu halten oder Politik im Wortsinn zu betreiben, dann gibt es keinen Text von mir, der nicht politisch wäre. Das schließt auch meine Gedichte mit ein.

Sofern die Poesie sich mit der sprachlichen Beschreibung des Schönen beschäftigt, ist sie sogleich politisch, wenn das Hässliche droht, Überhand zu nehmen.

Deine Protagonisten sind auf den zweiten Blick oft gar nicht mehr sympathisch.

Die Hauptperson darf zutiefst unsympathisch sein, muss aber interessant sein. Wenn sie glaubwürdig-unsympathisch ist, oder den Leser in ihrer Gebrochenheit, Verdrehtheit, Gestörtheit an eigene Anteile erinnert und ihn damit bei der Stange hält, ist das in Ordnung.

Planst Du Deine Geschichten im Vorab durch, oder lässt du es spontan fließen?

Eine Mischung aus beidem. Gerade bin ich allerdings mit einem Text beschäftigt, dem ich mehr Entwicklungsfreiheit als üblich erlaube. Der grobe Rahmen ist klar, aber ich bin gespannt, wohin sich das im Detail entwickelt.

Hast du Vorbilder?

(lacht) Viele. William Gibson muss an dieser Stelle genannt werden. Was mich neulich völlig umgehauen hat und noch lange beschäftigen wird, ist „Jerusalem“ von Alan Moore. Meiner Ansicht nach ein Jahrhundertwerk, trotz der teils hoch problematischen Inhalte und ideologischen Positionierungen. Es besticht vor allem durch eine grandiose Erzählweise in einem extremen Setting. Ist aber sicher kein Buch für jeden.

Du bist ja ein Autor, der sehr gerne vor Publikum liest.

Das ist für mich jedes Mal die Feuerprobe, darum geht es. Manchmal scharren die Zuhörer mit den Füßen, manchmal sitzen viele mit Erkältung im Publikum, dann bringt man es mit Anstand zu Ende. Aber es gibt eben auch diese wirklich glückhaften Momente, wo man merkt, dass sich die Ohren aufstellen, man die Leute abholt, oder sie ärgerlich werden, aber dennoch interessiert sind. Dann ist man als Autor der Geschichtenerzähler am Lagerfeuer, derjenige, der etwas Neues bringt.

Interview: Philipp Schmidt

Alle Bücher des Autors und mehr unter:
marcus-hammerschmitt.de

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31.10.2018, 01:00 Uhr
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