Vogelschutz in der Stadt

Tübingens Mauersegler brüten nun bei den Stadtwerken

Mit dem Projekt „60 Nisthilfen für Mauersegler“ möchte der Tübinger Naturschutzbund (NABU) das Stadtgebiet ökologisch aufwerten und die drohende Gefährdung der 40 Gramm leichten Luftjäger abwenden.

04.03.2020

60 Nisthilfen für Mauersegler soll es in Tübingen geben. Bild: NABU Tübingen

Gemäß der „Roten Liste der Brutvögel in Baden-Württemberg“ hat der Mauersegler den Gefährdungsstatus V. Ändern sich seine jetzigen Lebensbedingungen nicht, könnte er damit binnen weniger Jahre als gefährdet gelten. Grund für den Rückgang sind vor allem versiegelte Gebäudefassaden. Nistkästen aber helfen den Tieren, sofern sie in mindestens sechs Metern Höhe angebracht sind.

„Es ist beglückend, solche Tiere am Haus zu haben“, findet Elisabeth Bark vom Tübinger NABU. Die ehrenamtliche Tierschützerin unternimmt Beobachtungsspaziergänge durch die Stadt und erfasst Brutstätten der Koloniebrüter im Tübinger Stadtgebiet. „Wir haben ein Infoblatt erstellt und dieses werfe ich dort ein, wo ich Mauersegler beobachtet habe, aber auch in der Nähe von Kolonien an geeigneten Gebäuden.“

Inspiriert durch ein Herrenberger Mauersegler-Projekt peilt Bark in Tübingen „60 Nisthilfen für Mauersegler“ an. Zwölf davon hängen bereits, an einem Privathaus und an der Fassade des Parkhauses Altstadt-Mitte. Dort wird es bald gewaltig zwitschern, denn seit Mitte Februar hängen dort insgesamt 20 Nistkästen.

Doch nur zwei der Nistkästen sind für die Mauersegler. In direkter Nachbarschaft können verschiedene Höhlen- und Halbhöhlenbrüter einziehen. Der Parkhaus-Betreiber, die Stadtwerke Tübingen (SWT), möchte seine „Gebäude so gut wie möglich in Einklang mit der Natur zu betreiben“, teilt SWT-Pressesprecher Ulrich Schermaul mit. „Die SWT achten auf Natur- und Tierschutz.“ Deswegen starteten die Stadtwerke ihr Nisthilfen-Pilotprojekt, ließen sich von Bark zu den besten Aufhängungsorten beraten und bezahlten die neuen Wohnungen für Fledermäuse, Mauersegler und Co. aus eigener Tasche.

Ein Glücksgriff für Bark, denn: „Eine Nisthilfeaktion an einem hohen Haus von 6 bis 10 Metern mit zwei Koloniekästen kostet 700 Euro, das kann kaum eine Privatperson finanzieren.“ Pro Koloniekasten würden 70 bis 100 Euro fällig. Für die Anbringung ans Haus sei zudem meist teure Profi-Ausrüstung nötig. Nicht immer stünden Fördertöpfe zur Verfügung, die Hemmschwelle für Privatleute liege entsprechend hoch.

In der Hochfütterungszeit von Mitte Juni bis Ende Juli wolle der NABU Tübingen bei gutem Wetter einmal die Woche eine öffentliche Abendführungen anbieten, sagte Bark. Aktuelle Informationen gibt es stets auf der Facebook-Seite und auf der Webseite unter nabu-tuebingen.de. Monica Brana

Am Dienstag, 10. März, 19 Uhr lädt der NABU Tübingen zum Vortrag „Schmetterlinge und andere Insekten“ von Schmetterlings-Guide Antje Trapp-Frank in den Stadtteiltreff im Schönblick, Paul-Lechler-Straße 2, ein.

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Erstellt:
4. März 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
4. März 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. März 2020, 01:00 Uhr

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