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Ein spukhafter Ort

Auf den Spuren uralter Flurnamen: Geistgraben

Wandert man in Ofterdingen auf der Alten Rottenburger Straße hoch in den Wald und dann auf einem ziemlich geraden Schotterweg Richtung Rottenburg, so sieht man zwischen Bäumen und Strauchwerk uralte Bildstöcke, auf denen zwischen Moosen und Flechten verwitterte Kreuze erkennbar sind.

31.07.2019

Das Gewann „Geistgraben“ im Rammert erinnert an unheimliche Geschichten. Bilder : Arndt Spieth

Diese Steinmonumente zeugen noch davon, dass hier bereits im Mittelalter ein wichtiger Handelsweg verlief. Die Bildstöcke dienten den Reisenden zur Orientierung und gaben den mittelalterlichen Menschen in diesem abgelegenen Waldgebiet ein Gefühl von Schutz vor Gefahren und bösen Mächten.

Mitten im Rammert passiert der Weg das Gewann „Geistgraben“. Im Mittelalter und bis in unsere Zeit hinein hielten sich in unseren Dörfern allerlei Geschichten und Erzählungen von spukhaften und verrufenen Stellen, besonders in Wäldern. Auch Flurnamen wie „Geistholz“, „Geistwiesen“, „Geistklinge“, „Ohrfeigenplatz“ oder „Schnauferle“ zeugen noch von solchen Orten.

Reisende, Pilger und Händler mussten auf dieser Straße oft auch des Nachts durch den Rammert ziehen und hatten dabei wohl häufig große Angst. Jedes Knacken oder hörbare Schnaufen wurde als Gefahr interpretiert. Manchmal waren es Räuberbanden oder Wildtiere wie Rehe, Wölfe oder Bären. Fand sich nichts Lebendiges, so vermutete man gespensterhafte Erscheinungen. Das Gebiet Geistgraben muss sich mit der Zeit bei den Menschen in Rottenburg und Ofterdingen als besonders spukhafter Ort ins Bewusstsein eingegraben haben, sonst wäre dieser Flurnamen nicht erhalten geblieben.

Den Flurnamen Geistgraben findet man vereinzelt in Oberschwaben, der Schweiz und im Schwarzwald wie bei Enzklösterle im Nordschwarzwald. Dort soll nach der Überlieferung ein Geist auf die nächtlichen Wanderer gewartet und sich auf sie gesetzt haben, was zur Folge hatte, dass sie sich kaum noch aufrecht halten konnten. Auch gezogene Leiterwägen sollen an dieser Stelle plötzlich schwer geworden sein, dass man sie kaum noch von der Stelle ziehen konnte. Das war aber noch harmlos im Vergleich zum „Ohrfeigenplatz“ bei Neckarsulm, wo einem Reisenden des Nachts regelmäßig von unsichtbarer Hand eine geschmiert worden sein soll. So erzählen es zumindest die alten Chroniken der umliegenden Ortschaften. Arndt Spieth

Bildstöcke dienten den Reisenden im Mittelalter zur Orientierung.

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Erstellt:
31. Juli 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
31. Juli 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2019, 01:00 Uhr

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