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Ein besonderer Mädelsabend

Bei Women at Work lernen Frauen Neues für den Heimwerker-Alltag

04.12.2019

Mit Trittstuhl und Kopftuch: Frauen beim Heimwerkerabend im Tübinger Hornbach. Bild: Andrea Bachmann

Wenn man etwas selber kann, muss man nicht irgendeinen Mann fragen“. Allgemeine Zustimmung. Zwischen Tapetenrollen und Bodenbelägen warten die Teilnehmerinnen des siebten „Women@Work“, das die Firma Hornbach veranstaltet, auf ihren Einsatz.

Zunächst werden die 69 Frauen an eine lange Tafel zwischen Hochregalen voller Holzbalken gebeten. Es gibt Sekt. Aber wenn schon, denn schon: Die meisten stoßen mit Bier aus der Flasche an, das kommt zünftiger. Überhaupt ist man zum Schaffen gekommen und nicht zum Schwätzen. Fliesen legen, tapezieren, Laminat verlegen, schreinern und Oberflächengestaltung steht auf dem Programm. „Ich will hier lernen, wie ich einen alten Tisch aufarbeiten kann, der ganz schlimm dunkelbraun ist“, hat sich eine Teilnehmerin vorgenommen.

Der Herr der Fliesen beginnt mit einer theoretischen Einführung. Schnell wird klar: Mit ahnungslosen Anfängerinnen hat er es nicht zu tun. Eher mit alten Häsinnen, die die neuesten Tipps in Renovierungsdingen brauchen. Welcher Klebstoff ist am besten? Kann ich Fliesen tatsächlich auch auf Holz verlegen? Wie zieht man die Fugen am besten ab? Mit einem Eisstiel! „Da gibt’s zum Werkzeug noch ein schönes Magnum dazu“. Überhaupt warnt er vor teuren und unsinnigen Hilfsmitteln. Ein System, um die Fliesen ebenmäßig zu verlegen? „Wenn Sie mit den Fingern drüber fahren, merken Sie auch, ob die Fliesen glatt liegen.“ – Eine Verkaufsveranstaltung ist dieser Frauenabend sicherlich nicht.

Bei der Oberflächengestaltung geht es weniger ernsthaft zu. Die Stimmung ist großartig, es wird gemalt, gefönt und geschliffen, was das Zeug hält, um Holzkisten einen hippen, shabby schicken Vintage-Style zu verpassen. „Wir kommen jedes Jahr“, freut man sich über diesen besonderen Mädelsabend. „Dieses Jahr ist es besonders cool, weil wir alle etwas machen, das wir mit nach Hause nehmen können. Letztes Jahr haben wir einen einzigen Hocker gebaut und der wurde dann verlost.“

Zum Mitnehmen sind auch große hölzerne Windlichter gedacht, die in einer improvisierten Schreinerei entstehen. Hier haben die Frauen auch die Möglichkeit, mit Bohrmaschine und Elektrosäge zu hantieren. Berührungsängste hat keine. Waren diese Abende vor ein paar Jahren noch eine Möglichkeit, sich im geschützten Rahmen auszuprobieren ohne von Männern bevormundet oder belächelt zu werden, sind sie jetzt eher ein unterhaltsames Event mit hohem Informationsfaktor. „Hier lernt man immer etwas Sinnvolles“, meint eine Teilnehmerin. „Auch, wenn ich gar nicht alles selbst machen will: Ich möchte ja auch einschätzen können, ob ein Handwerker eine gescheite Arbeit macht.“

Wer seine vier Wände nur noch mit Innenputz versieht, weil ihr vor dem Einkleistern von Tapeten graust, lernt an der Tapezierstation, dass es mittlerweile Leim gibt, der direkt auf die Wand aufgetragen wird. Auch hier kommen Fachfragen: Welche Raufaser für welche Wand? Und wie gehe ich mit Mustertapeten um? Jede klebt eine Bahn. Proben für den Ernstfall sozusagen.

Zu einer Pause müssen die Frauen regelrecht genötigt werden. Bei Butterbrezel und Bier sind alle voll des Lobes: „Ich finde es super, wie viel Mühe sich mit der Vorbereitung gegeben wurde. Und gut erklären können sie auch.“

Markus Unger und Andreas Neuenfeld leiten den Hornbach-Markt in Tübingen und geben das Kompliment gerne zurück. „Die Frauen sind genauso gut vorbereitet und löchern unsere Mitarbeiter mit Fragen. In Tübingen wird die Veranstaltung auch sehr gut angenommen, es gibt Märkte, da kommen höchstens zehn Frauen.“ Andrea Bachmann

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Erstellt:
4. Dezember 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Dezember 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Dezember 2019, 01:00 Uhr

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