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Liebe zur US-Folktradition

Das Bluegrass Jamboree im franz.K präsentiert drei junge Bands

Das Motto lautet „Northern Lights“: Das von dem Tübinger Bluegrass-Impresario Rainer Zellner veranstaltete „Bluegrass Jamboree“ steigt am Samstag zum neunten Mal im franz.K. Mit dabei: Drei junge Bands, die zur Creme der amerikanischen Bluegrass-Szene zählen.

13.12.2017

Rainer Zellner organisiert das Bluegrass Jamboree. Bild: Spieß

Früher spielten sie zum Lunch in Restaurants, mit Banjo, Geige, Mandoline und dem Gefühl für Heimat und Tradition. Vom Südosten der USA breitete sich die Idee des Bluegrass aus, einer „Mischung aus keltischer Balladentradition und dem musikalischen Erbe des Blues und Gospels“. So entwickelten sich Mitte der 1990er-Jahre in den USA Bluegrass-Konzerte zum Renner und auch hierzulande erfreuen sich die vielen Spielarten dieser Roots- und Americana-Musik wachsender Beliebtheit.

Das erkannte vor acht Jahren auch der Tübinger Veranstalter Rainer Zellner und schickte 2009 erstmals drei US-Bands auf Tournee durch Deutschland: „Mit wachsendem Erfolg“, wie Zellner berichtet. Ihm geht es darum, die amerikanische Bluegrass-Tradition hierzulande mit qualitativ hochwertigen Bands bekannter zu machen. „Denn es ist nicht einzusehen, dass der authentische Klang der amerikanischen Folktradition nicht neben Weltmusik bestehen kann“, so Zellners Credo.

Vor 31 Jahren hat er in Tübingen eine Agentur gegründet und die Verbreitung von Weltmusik und Bluegrass zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Er ist passionierter Mandoline-Spieler und war während der 1970er-Jahre in der deutschen Folkszene aktiv. Dabei entdeckte er auch seine Liebe zur Musik von Bill Monroe, dem Vater der Bluegrass-Musik. Die anspruchsvollen Soli der Bluegrass-Instrumente Mandoline, Banjo, Geige, Gitarre und Kontrabass und der mehrstimmige Gesang haben ihn so in den Bann gezogen, dass er sich ganz dem gut 60 Jahre alten Musikgenre gewidmet hat.

Dass sich beim Bluegrass Fertigkeiten an den Instrumenten mit kreativer Musizierlust treffen, haben die letzten Jamborees bewiesen. Für die aktuelle Tournee, die bis zum 16. Dezember durch 24 Städte führt und im Reutlinger franz.K ihren Abschluss findet, hat Zellner drei US-Formationen aus dem Nordosten der USA und Canada engagiert, die dem in die Jahre kommenden Genre die Jugend zurückbringen soll: „Bluegrass hat sich über die Generationen immer wieder erneuert. Deshalb möchte ich dieser Entwicklung Rechnung tragen und habe dieses Mal drei junge Bands aus dem Norden der USA eingeladen.“

Dazu muss man wissen, dass Bluegrass im Norden lange Zeit genauso ein Fremdwort war wie außerhalb der USA. Trotzdem hat sich dort in den letzten Jahren eine Szene hochkarätiger Bands etabliert, die laut Zellner „bei Gastspielen im Süden auch schon mal vor aufgebrachten Traditionalisten eines Bluegrass-Festivals fliehen mussten, weil sie einfach zu progressiv spielten.“ Passiert ist das den jungen Lula Wiles aus Boston, die das Bluegrass Jamboree eröffnen werden. Zum ersten Mal in der Jamboree-Geschichte sorgt damit ein Frauen-Trio für den Auftakt des Festivals. Ihre Texte sind rau, die Musik ist geprägt von modernem Americana-Songwriting und traditionellen akustischen Instrumenten.

Auch die zweite Band des Abends hält nicht viel von ruhigen Bluegrass-Rhythmen, sondern favorisiert den harten Drive der wilden Männer aus den 1940er- und 50er-Jahren. Die drei Musiker der Lonesome Ace String Band aus Toronto sind erfahrene Haudegen der Oldtime-Music und verwandeln mit Leichtigkeit Konzertsäle in musikalische Hillbilly-Heuschober im Stil der 1940er Jahre. Weniger heftig, dafür musikalisch „eine absolute Sensation“, präsentieren sich zum Abschluss des Festivals die „Lonely Heartstring Band“ aus Boston mit ihrem Contemporary Bluegrass.

Rainer Zellner möchte bei der neunten Ausgabe seines „reisenden Festivals“ eine große Bandbreite bieten und gleichzeitig „die Nähe zu den Fans – ein weiteres Merkmal des Bluegrass – nicht vernachlässigen“. So ist am Ende auch wieder eine gemeinsame Session aller Künstler geplant. Jürgen Spieß

Das Bluegrass Jamboree steigt am Samstag, 16. Dezember, 20 Uhr im franz.K.

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Erstellt:
13. Dezember 2017, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Dezember 2017, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2017, 01:00 Uhr

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