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Bilder aus dem Heim

Der Pflegenotstand als Frauentheater

Seit 20 Jahren bringt das Tübinger Frauentheater Purpur aktuelle Themen auf die Bühne. Das neueste Stück setzt sich mit dem Pflegenotstand auseinander.

08.01.2020

In fünf Bildern schildert das Frauentheater Purpur den Alltag in einem deutschen Pflegeheim.
Dabei können auch die Zuschauer(innen) in das Geschehen auf der Bühne eingreifen. Bild: Purpur

Unter dem Titel „Ende gut? Wo geht‘s bitte raus aus dem Pflegenotstand?“ schildert das neueste Stück des Frauentheaters Purpur in fünf Bildern und in zugespitzter Form einen Tag in einem deutschen Pflegeheim. Danach können die Zuschauer(innen) selbst in die Szenen eingreifen und spielerisch verschiedenste Lösungen für die Schwierigkeiten anbieten, in die pflegebedürftige Menschen sowie ihre Angehörigen und das Pflegepersonal geraten.

Das Stück, das von Sabine Altenburger geschrieben wurde, basiert nicht nur auf dem Buch „Abgezockt und totgepflegt“ von Markus Breitscheidel. Die Theatergruppe hat im Raum Reutlingen-Tübingen recherchiert und Interviews mit Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen sowie mit Heimleitern und deren Personal und ehrenamtlich Engagierten im Pflegebereich geführt.

Unter der Leitung von Uschi Famers spielt das Frauentheater Purpur seit 20 Jahren am Landestheater Tübingen (LTT) wöchentlich drei bis vier Stunden. Den aktiven Kern der Gruppe bilden 15 Frauen im Alter zwischen 55 und 86 Jahren.

Famers kann auf zwölf Produktionen mit dem Frauentheater zurückblicken. Zu den Höhepunkten der Theatergeschichte zählt die 68-jährige Regisseurin die Einladung des Stücks „Und wenn sie nicht gestorben sind“ zum Seniorentheaterfestival „Herzrasen“ am Schauspielhaus Hamburg. „Das war eine große Auszeichnung für unsere Arbeit.“

Die Produktionen „Pompinien“ und „Ein Haufen Liebe“ sowie einzelne Spielerinnen wurden von der Dokumentarfilmerin Alina Cyranek begleitet. So entstanden zwei Filme, in denen unter anderem gezeigt wird, wie Theater auf die Spielerinnen wirkt.

„Es gab in meinem Leben immer eine kleine Tür zum Spielen, die habe ich aber erst jetzt im Ruhestand geöffnet“, erklärt Elinor Sauter. „Es macht so unheimlich viel Spaß, in andere Rollen zu schlüpfen, mal ne Prostituierte, mal ‘ne olle hässliche Kröte und mal Schillers Charlotte zu sein“, betont die Schauspielerin. „Wann kann man das schon im stinknormalen Leben?“

Die Spielerinnen erhalten ein intensives Stimm-, Atem-, Körper- und Bewegungstraining. „Kontinuierliche theaterpädagogische Arbeit umfasst somit Körper, Geist und Seele“, stellt Uschi Famers fest. „Die spielerische Auseinandersetzung mit Themen und Texten, mit Musik und Bewegung ermöglicht allen Teilnehmerinnen einen neuen Zugang zu sich selbst.“

Spaß und Neugierde am Spielen stehen laut Famers am Anfang jeder theaterpädagogischen Produktion. Beim Spielen begegnen sich auch individuelle Erinnerungen, beobachtet die Theaterleiterin. „Daraus entstehen neue Geschichten, es ergeben sich Brüche. Durch Übertreibung, Vergrößerung oder Verfremdung entsteht manchmal eine berührende Komik.“

Bei der Auswahl des Programm greift Famers Themen auf, die in der Gruppe aktuell sind. Dann werden passende Stücke, Literatur, Biografien oder Balladen dazugenommen und für die Gruppe bearbeitet. Die Theaterpädagogin freut sich über den Reichtum der Spielerinnen an schönen Erinnerungen und Katastrophen, die im Spiel reflektiert werden.

Mit ihrem aktuellen Stück verabschiedet sich Uschi Famers in Rente. Neue Leiterin des Frauentheaters ist die Theaterpädagogin Miriam Rösch. Stefan Zibulla

Die Premiere ist am Freitag, 10. Januar, um 20 Uhr in der LTT-Werkstatt, Eberhardstraße 6

Weitere Vorstellungstermine:

Donnerstag, 16. Januar

Freitag, 24. Januar,

Sonntag, 2. Februar

Jeweils um 20 Uhr

www.frauentheater-

purpur.com

Mit ihrem aktuellen Stück verabschiedet sich Uschi Famers in Rente. Bild: Stefan Zibulla

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Erstellt:
8. Januar 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Januar 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Januar 2020, 01:00 Uhr

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