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Es ist halt einzig hier

Hinaus ins Grüne: Durch und um das Klosterparadies Bebenhausen

Auf dieser idyllischen Rundwanderung entdecken wir die herrliche Bebenhäuser Klosteranlage und das lauschige Goldersbachtal.

12.10.2016

Von Arndt Spieth

Toller Blick vom Rittweg aus auf die malerische Klosteranlage Bebenhausen. Bilder: Spieth

Tourenstart ist die Kreuzung der nach Bebenhausen einbiegenden Schönbuchstraße mit der L1208, der früheren B27. Wir wandern Richtung Kloster und biegen an der nächsten Möglichkeit nach rechts zum Parkplatz Bebenhausen ein.

Über einen mittelalterlichen Treppenweg kommen wir direkt hoch in den Klosterbereich, genauer gesagt zum ehemaligen Abtshaus des Klosters, das Friedrich König von Württemberg ab 1806 zum Jagdhaus umbauen ließ – heute ist dort ein Museum und der Sitz der Kloster- und Schlossverwaltung.

Vom Platz links davon bieten sich herrliche Ausblicke auf den Grünen Turm und die ehemalige Klostermühle. Wir wandern über den Klosterhof, halten uns rechts und gehen durch einen gotischen Gang zwischen Konventsgebäuden und dem „Herrenhaus“, heute als „Neuer Bau“ bekannt, Richtung Norden. Das Besondere an dem Steinbau ist die große offene Halle mit achteckigen Holzpfeilern im Erdgeschoss. Vorbei am idyllischen Forsthaus gelangen wir über einen schmalen Fußweg zu einem lauschigen Garten mit einem bezaubernden Fachwerkhaus, das sich eng in die hohe Klostermauer mit Wehrgang schmiegt. Dieser vielleicht lauschigste der vielen lauschigen Winkel Bebenhausens war ursprünglich die Klosterküferei und stammt noch aus dem 14. Jahrhundert. Durch seine Lage an einem früheren Durchgang, neben dem jetzigen Tor, diente es für von Norden kommende Reisende und Pilger wohl auch als Pförtnerhaus.

Weiter geht es durch das kleine Törchen und wir verlassen den Klosterbezirk. Auf der linken Seite steht das ehemalige Wolff’sche Landhaus, ursprünglich vermutlich die alte Klosterschenke. Bekannt wurde es durch die mehrwöchigen Aufenthalte von Eduard Mörike 1863 und 1874. Hier konnte er sein geliebtes Bebenhausen ausgiebig genießen und verarbeite seine Eindrücke dichterisch in seinem bekannten Zyklus „Bilder aus Bebenhausen“.

Wir wandern auf der alten, von Norden her führenden mittelalterlichen Böblinger Straße weiter und biegen oberhalb der Wohnhäuser nach links in die Straße Am Jordan ein. Nach ein paar Landhäusern bekommen wir schöne Ausblicke auf die verträumte Klosteranlage. Wir wandern geradeaus weiter und kommen durch einen waldigen Abschnitt oberhalb des eingewachsenen Kanals, den die Mönche für ihre Mühle gegraben hatten. Nach dem eingezäunten Fischweiher beschreibt der Weg eine Linkskurve und wir kommen auf den asphaltierten Hauptweg. Dort halten wir uns kurz links und biegen an der nächsten Möglichkeit nach rechts. Der Weg verläuft für kurze Zeit am Mühlkanal, quert bald den Goldersbach und folgt einem Seitental bergauf Richtung Süden. Links unterhalb des Bettelweg rauscht der hin und her mäandernde Bettelbach in seiner tief eingegrabenen Schlucht.

Die fast unberührten Bäche im Schönbuch beherbergen viele seltene Arten wie Mühlgroppen, Bachneunaugen und den äußerst empfindlichen Steinkrebs. Wir folgen dem Weg und kommen am Bettel- und danach am Vögelesbrunnen vorbei. Wir halten uns links und gehen den Unteren Schachbaumweg weiter. An einer Wegegabelung mit einem weiteren Brunnen halten wir uns rechts und wandern leicht bergauf. Von den Kreuzungen lassen wir uns nicht irritieren, sondern gehen immer in gleicher Richtung weiter und erreichen schließlich den Rittweg; hier dann weiter geradeaus und nach rund 70 Metern biegen wir links ab in den Alten Rittweg. Hier verläuft auch der Jakobsweg, auf dem seit Jahrhunderten Pilger in entgegengesetzter Richtung gen Spanien ziehen. Wir treten aus dem Wald und haben einen tollen Blick auf die malerische Klosteranlage.

Etwas weiter unten erreichen wir am Ziegelberg die alte Klosterziegelei und wandern weiter bergab. Bei dem querstehenden Gebäudetrakt handelt es sich wohl noch um das ehemalige Haus des Ziegeleiverwalters aus dem 17. Jahrhundert. Wir spazieren rechts daran vorbei und halten uns nach Überquerung des Goldersbaches kurz links. Nach wenigen Schritten öffnet sich rechts neben einem Steinturm ein Törchen, durch das wir auf einem Fußweg bis zur Schönbuchsstraße kommen. Auf der rechten Seite sehen wir den Hirsch, und links die etwas einfacher ausgestattete Sonne, beides gute Einkehrmöglichkeiten.

Wir gehen die Straße nach links weiter und kommen im Bogen rechts hoch Richtung Schreiberturm. Links öffnet sich der sogenannte Kasernenhof, einer der beschaulichsten Winkel Bebenhausens. Um einen idyllischen Bauerngarten, vom plätschernden Mühlkanal durchquert, reiht sich ein ganzes Ensemble von früheren Wirtschaftsgebäuden des Klosters, die im Kern noch aus dem Mittelalter stammen. Malerisch zieht sich der langgezogene, bucklige Dachfirst entlang des westlichen Horizonts und man muss Mörike recht geben: „Es ist halt einzig hier.“ Der Platz mit einem Pumpbrunnen wird im Norden vom Bau des Klosterverwalters aus dem 16. Jahrhundert abgeschlossen. Neben dem 1925 erbauten Rathaus steht der imposante Schreibturm von 1439 mit seiner gotischen Kreuzigungsgruppe. Ursprünglich befand sich im Turm eine Schreibstube, später ein Archiv und Arrestzelle. Seit 1997 ist hier das „Informationszentrum des Naturparks Schönbuch“ untergebracht. Hier können wir nochmals den eigentlichen Klosterbereich betreten und über den Museumseingang neben dem kleinen Klostergärtchen auf der Südseite die sehenswerten Klausurgebäude mit Kreuzgang und Klosterkirche und das Schloss mit einer Führung besichtigen. Ansonsten spazieren wir unterhalb der hohen Klostermauer weiter Richtung Osten bis zur alten Klostermühle. Durch einen „Schlupf“ in der östlichen Klostermauer gelangen wir wieder hinaus in die Schönbuchstraße. Wir halten uns links und kommen zurück zum Ausgangspunkt. Arndt Spieth

Länge ungefähr 5,5 Kilometer, Höhenunterschied 140 Meter.

Arndt Spieth hat im Silberburg-Verlag einen Stadtwanderführer „Kreuz und quer durch Tübingen“ veröffentlicht.

Der Bettelbrunnnen im Schönbuch.

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Erstellt:
12. Oktober 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Oktober 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2016, 01:00 Uhr

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