Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Dörfliches Idyll um den Kirchturm

Hinaus ins Grüne: Rundwanderung um Breitenholz

Jetzt wird es früh dunkel und die Witterung zunehmend rauer. Deshalb ist diese Rundwanderung um Breitenholz etwas kürzer gehalten, dafür ist sie aber um so abwechslungsreicher und bietet wunderschöne Ausblicke auf die Umgebung.

29.11.2017

Von Arndt Spieth

Das beschauliche Breitenholz hat seinen ganz eigenen Charme: Die dörflichen Strukturen sind noch gut erhalten. Bilder: Spieth

Unsere Tour beginnt an der Bushaltestelle „Lamm“ direkt gegenüber vom stattlichen Gasthofgebäude gleichen Namens. Von hier geht’s weiter Richtung Osten durch die Müneckstraße und wir kommen an hübschen, teilweise wenig sanierten Fachwerkhäusern vorbei. Das beschauliche Breitenholz hat seinen ganz eigenen Charme: Die dörflichen Strukturen sind noch gut erhalten, das alte Dorf blieb von der Abbruchwelle in den 1970er Jahren weitgehend verschont und die Gärten, Wiesen und Felder drum herum sind vielfach noch unbebaut. Ein bezauberndes dörfliches Idyll nahe am Ballungsraum Stuttgart-Böblingen/Sindelfingen.

Wir kommen am Schultheißenhaus von 1747 vorüber (Nr. 33), einem schön erhaltenen barocken Gebäude, und folgen nun dem mit einem blauen Balken gekennzeichneten Wanderweg bergauf. Nach dem Spielplatz schwenkt unser Weg nach links. An der nächsten Kreuzung unterhalb der Weinberge folgen wir dem Wanderweg mit idyllischen Ausblicken auf Breitenholz erst nach links und dann rechts am Waldrand hoch.

Oben angekommen geht es nach rechts und wir bekommen oberhalb der malerischen Weinberge bald einen herrlichen Blick über die weite Gäulandschaft, umrahmt vom Schönbuch, Rammert und, ganz im Hintergrund, die Schwäbische Alb. Sahnekleckse zu diesem Ausblick sind schön in die Landschaft eingebettete Orte wie Breitenholz oder Entringen mit der Michaelskirche und die Wurmlinger Kapelle.

Direkt oberhalb von uns befand sich im Mittelalter auf rund 510 Meter Höhe die Burg Müneck. Sie wurde bereits im 11. und 12. Jahrhundert von den Herren von Müneck als Schutz- und Trutzburg erbaut. 1259 wird sie erstmals urkundlich erwähnt, als ein gewisser Ritter Hugo von Müneck einen Hof an das Kloster Kirchberg verkaufte. Dieser Burgherr war gleichzeitig Ministeriale des Grafen Rudolf von Tübingen. Bereits in den folgenden Generationen begann offenbar der Ausverkauf des Münecker Besitzes und letzter Münecker war wohl ein gewisser Albrecht, der 1373/83 in den Annalen als Chorherr zu Sindelfingen beziehungsweise Kirchherr zu Altingen erwähnt wird. Danach verfiel die Anlage und diente den Breitenholzern als Steinbruch für ihre Weinbergmauern und Wohnhäuser. Sehr schön erkennbar sind aber noch die alten Wallanlagen im Wald. Wer sich zu den letzten Resten der Burg aufmachen möchte, wandert den mit blauem Balken gekennzeichneten Wanderweg hoch zum Hauptwanderweg 5 (HW5, roter Balken) und folgt diesem oben nach rechts durch den Wald.

Der Weg ist aber bei nasskalter Witterung an einigen Stellen rutschig und schlammig, so dass hier Trittsicherheit und gutes Schuhwerk unbedingt erforderlich sind. Ansonsten wandern wir den geschotterten Weg geradeaus weiter und haben oberhalb der alten Weinberge zumindest anfangs weitere schöne Ausblicke auf das Umland. Nach einiger Zeit kommen wir auf einen größeren Schotterweg, wandern diesen bergauf und wir treffen direkt nach der Kurve auch auf den HW5. Wir biegen hier rechts ein und folgen dem mit rotem Balken gekennzeichneten und bis ins Allgäu führenden Hauptwanderweg ein kurzes Stück durch den Naturpark Schönbuch. Das Gebiet hier oben heißt ‚Kauserle‘ und könnte auf frühere Nistplätze von Waldkäuzen deuten. Der auf lehmig sandigem Untergrund manchmal etwas rutschige Weg führt uns wieder leicht bergab und wir gelangen an eine Wegkreuzung.

Hier folgen wir dem breiteren, geschotterten Waldweg nach rechts und kommen bald am „Mädlesstein“ mit der etwas kryptischen Inschrift „S‘ Mädle vom Klengle“ vorbei. Um diesen Stein ranken sich einige Geschichten, wobei der originale Stein von 1716 leider 1987 gestohlen wurde. Seit 2005 steht hier diese Kopie. Der Grund des Namens war wohl kein Mädchen sondern eine kleine Mähder- beziehungsweise Mahd- wiese, die auf dem ersten Stein als „Klinglis Medtlin“ (Klingles Mähdle) bezeichnet wurde. „Mähder“ sind ertragsarme Wiesen meist an der Gemarkungsgrenze, die durch die große Entfernung zum Hof nicht mit Stallmist gedüngt wurden und so nur einmal im Jahr gemäht werden konnten. Ansonsten weideten darauf Rinder und Ziegen.

Unser Weg führt nun hinunter in ein uriges Waldtal. Links sehen wir tief eingegrabene Klingen und Schluchten einiger Zuflüsse des Käsbachs. Allmählich wird es wieder lichter und wir erreichen den Waldrand. Zwischen Wiesen und Obstbäumen haben wir schöne Ausblicke auf den Schönbuchtrauf mit seinen vielen Saumbiotopen und Streuobstwiesen, heute Teil des großen Naturschutzgebietes „Schönbuch-Westhang/Ammerbuch“ sowie wichtiger Rückzugsort für selten gewordene Tier- und Pflanzenarten. Blicken wir nach rechts, sehen wir noch terrassierte Weinberge, malerische Reste einer alten Kulturlandschaft. Wir queren nach einigen Schritten den Käsbach und halten uns nach den Sportplätzen rechts.

In Höhe der Breitenholzer Kirche biegen wir links ab, kommen über einen alten Weg am ummauerten Friedhof vorbei, und erreichen den Ortskern. Der Turm der früher dem heiligen Wendelin geweihten Kirche stammt noch aus dem 14. Jahrhundert. Wendelin passte gut zu Breitenholz, ist er doch der Schutzpatron der Bauern, Landarbeiter und Hirten. Das heutige Kirchenschiff wurde 1964 errichtet, nachdem man zuvor das Gotteshaus von 1577, einer der frühestens lutherischen Kirchenbauten überhaupt, abgerissen hatte. Die Brüstungsbilder der Empore vom Anfang des 17. Jahrhunderts wurden aus der alten Kirche übernommen. Das Kruzifix von ungefähr 1400 stammt noch von der ersten Kirche. Fast daneben steht der Gasthof Ochsen, eine gute Einkehrmöglichkeit in Breitenholz. Wir spazieren nun zwischen uralten Bauern- und Weingärtnerhäusern durch die Straße „Bei der Linde“ und stoßen wieder auf die Müneckstraße, wo wir uns links halten und so wieder den Ausgangspunkt erreichen.

Breitenholz

Der Ortsname taucht erstmals 1296 in einer Urkunde auf. Ortsherren waren damals die Herren von Müneck, von Hailfingen und Herter von Dußlingen unter der Oberhoheit der Tübinger Pfalzgrafen. 1808 kam Breitenholz an das Oberamt Herrenberg und 1938 zum Kreis Tübingen. Seit 1971 ist Breitenholz Teil der neu kreierten Gemeinde Ammerbuch. Neben Wein- und Obstanbau wurde hier früher in einem großen Gipskeuper-Steinbruch zwischen Breitenholz und Entringen Gips abgebaut, der dann mittels einer Schmalspurbahn zum Gipswerk transportiert wurde. Das stattliche Werk stand links der Straße nach Reusten beim ehemaligen Breitenholzer Bahnhof. Die Fläche mit letzten Gebäuderesten wird heute, wie auch der Bahnhof, von der Recyclingfirma Steinel genutzt. Der Ortsneckname „Froschabschlecker“ erinnert an die früheren Feuchtwiesen am Käsbach. Tonige Schichten im Unteren Keuper verhindern hier den Wasserabfluss, was man noch sehr schön an den Weihern zwischen Reusten und Breitenholz im Gewann „Galgenegert“ beobachten kann.

Arndt Spieth

Länge: ungefähr 5 Kilometer

Höhenunterschied: 137 Meter

Wanderdauer: circa 1,5 Stunden

Einkehrmöglichkeit:

Gasthof Ochsen

(Sonntag durchgehend, Samstag bis 14 Uhr und dann wieder ab 17 Uhr geöffnet, unter der

Woche ab 17 Uhr geöffnet.

Arndt Spieth ist Autor von „Kreuz und quer durch Tübingen“, ein Wanderführer durch die Universitätsstadt.

Bei einer Pause genießt unser Autor die Aussicht.

Rundwanderung um Breitenholz Bild: Arndt Spieth Novemberimpressionen: Blick auf Breitenholz Neugierige Bewohner am Wegrand….

Autorenpäusle Toller Ausblick bei der Rundwanderung um Breitenholz Bild: Arndt Spieth

Um den Mädlesstein ranken sich einige Geschichten.

Zum Artikel

Erstellt:
29. November 2017, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
29. November 2017, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. November 2017, 01:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen


Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.