Saurucken, Baumriesen und Halali

Hinaus ins Grüne: Rundwanderung von Entringen zum Schloss Hohenentringen

Diese gut ausgeschilderte Waldrunde führt uns durch ein wunderschönes Gebiet des Schönbuchs, wo es zudem einige Sehenswürdigkeiten zu entdecken gibt.

17.06.2020

Der Erlenweiher im Arenbachtal ist nur eine der charmanten Stationen bei der Rundwanderung durch einen Teil des im 19. Jahrhundert aufgeforsteten Schönbuchs. Bilder: Arndt Spieth

Wir beginnen diese Tour am Wanderparkplatz Saurucken beim Entringer Sportplatz, oberhalb von Ammerbuch-Entringen gelegen. Wer mit dem ÖPNV nach Entringen kommt, wandert vom Bahnhof zur Michaelskirche und dann auf der Bebenhauser Straße weiter hinauf bis zum Saurucken.

Vom Wanderparkplatz aus folgen wir zunächst dem Wanderzeichen mit dem „Gelben Kreis“ in östliche Richtung bis zur Königlichen Jagdhütte. Anfangs spazieren wir an einem kleinen Bächlein entlang hinunter in Richtung Wildgehege. Nach einigen Schritten verlässt unser markierter Weg jedoch das asphaltierte Sträßchen und führt links auf einem Waldpfad hinunter, zum idyllischen Erlenweiher im Arenbachtal (siehe Bild rechts).

Hier geht unsere Route es erst rechts am Weiher entlang, dann überqueren wir den Arenbach und wandern links vom Wildgehege den „Dickneweg“ hinauf zur Hochebene „Sohl“, wobei wir weiter dem Wanderzeichen Gelber Kreis und den Schildern zur Königlichen Jagdhütte folgen.

Bald erreichen wir eine Lichtung mit ein paar hübschen historischen Holzgebäuden zwischen mächtigen Bäumen, den „Entringer Pflanzgarten“.

Der Pflanzgarten erinnert an die Zeiten, als der Schönbuch kein wirklicher Wald mehr war. Als Goethe ihn 1797 auf seinem Weg in die Schweiz durchquerte, sah er nur noch „einzelne Eichbäume auf der Trift“, wie er in seinem Reisetagebuch festhielt. Ein Gesetz namens Schönbuch-Gerechtigkeiten erlaubte es damals den umliegenden Bauern, Steine, Brennholz, Streu und Früchte mitzunehmen – was sie auch gerne und reichlich taten. Als Gegenleistung erwartete König Friedrich von seinen Untertanen die Abgabe von Naturalien und Frondienste. Letztere bestanden oft darin, dem Landesherrn bei seinen großen Jagden das Wild entgegenzutreiben. Der Schönbuch wurde dadurch völlig übernutzt und ausgebeutet, was erst Friedrichs Nachfolger Wilhelm I. erkannte.

Da Wilhelm I. der Jagd nichts abgewinnen konnte, verzichtete er 1819 auf sein Eigentumsrecht am Schönbuch und ließ ihn mit solchen Pflanzgärten wieder aufforsten. Weil die Nutzungsrechte der einfachen Bevölkerung diesem Vorhaben im Weg standen, schaffte er sie ab. Das Einsammeln von Holz war somit Diebstahl und wurde mit Gefängnis bestraft. Das sorgte für großen Aufruhr in der Bevölkerung, die sich in ihrer Lebensgrundlage bedroht fühlte.

Allein im Jahre 1822 wurden um die 10 000 Fälle von Waldfrevel oder Wilderei dokumentiert und es kam in dieser Zeit immer wieder vor, dass Förster und Waldschützen von Wilderern und „Holzdieben“ bedroht und teilweise auch umgebracht wurden. Um das zu verhindern und die Waldgesetze durchzusetzen, kam es 1852 zur Gründung einer militärisch organisierten Forstwache. Sie war in Bebenhausen stationiert, wo sich im Schreiberturm ein Forstgefängnis befand (siehe unten).

Wir spazieren auf dem lauschigen Waldweg weiter und passieren die Charlotte-Eiche, die an die Gattin des letzten württembergischen Königs Wilhelm II. erinnert.

Der „Dickneweg“ führt nun wieder mehr bergauf. Nach Querung des Kayher Sträßle erreichen wir oben die Königliche Forsthütte neben einem wunderschön gelegenen Grillplatz mit Blick auf die Schwäbische Alb.

Die Königliche Jagdhütte

Kronprinz Wilhelm II. war im Gegensatz zu seinem Vater ein passionierter Jäger und ließ deshalb 1888 auf der aussichtsreichen Hochebene des Steingart diese geräumige Jagdhütte erbauen. Die Blockhütte fiel wohl bewusst bescheiden aus, weil sich der Prinz nicht dem Vorwurf aussetzen wollte, Geld zu verprassen. Sie war über längere Zeit gesellschaftlicher Mittelpunkt des jagdlichen Geschehens. Der königliche Oberförster Münst schrieb dazu in der Revierchronik: „Die (…) Blockhütte nach Schweizer Stil - enthält ein hübsches Wohnzimmer für den Prinzen selbst, ein Vorzimmer, welches zugleich Küche ist, einen Keller, Pferdestall, eine Wagenremise (..).“

Außerhalb wurde ein königliches Plumpsklo gebaut, das heute noch existiert. Das abgeschiedene Jagdrefugium war bald ein Lieblingsort des späteren Königs. Von hier aus konnte er seine Regierungsgeschäfte bequem führen, denn über den Postbotenweg erhielt er ständig Nachrichten aus der Stuttgarter Residenz. Ins Gästebuch eingetragen hat sich 1893 auch Kaiser Wilhelm II., als in der Nähe die Kaiserlinde gepflanzt wurde. Nach der Revolution 1918 und dem letzten Eintrag der ebenfalls jagdbegeisterten ehemaligen Königin Charlotte kündet das Gästebuch auf 250 Seiten von fröhlichen Jagden und Festen, jetzt mit Waldarbeitern, Forstleuten und Jägern und Gästen aus nah und fern, vom einfachen Bürger bis zum Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger. Bei der Jagdhütte sehen wir einige große alte Bäume wie die Signaleiche.

Unter dem gleichnamigen Vorgängerbaum sollen sich früher immer die Jäger aufgestellt haben um den König mit ihren Hörnern zu begrüßen. Außerdem wurde von diesem Baum aus das in Jagdstrecken aufgereihte Wild von den Drückjagden „verblasen“. Dabei wurde von den Bläsern für jede Tierart eine Melodie „Zu Ehren“ des erlegten Wildes gespielt, ein Brauch, der auch heute noch auf Drückjagden praktiziert wird.

Wir wandern unterhalb des Grillplatzes in südöstliche Richtung hinunter zum Kayher Sträßle und folgen diesem bergab bis zur Plato-Eiche. An der Kreuzung geht es nun erst rechts und dann die Happsteige hinunter zum „Beckles Gartenhaus“ im Arenbachtal. Hier halten wir uns kurz rechts und folgen dann dem mit dem roten Balken markierten Hauptwanderweg 5 (HW5) links hoch durch den Wald. Oben angekommen, erreichen wir auf dem HW5 nach einiger Zeit das Schloss Hohenentringen, eine schöne Einkehrmöglichkeit auf unserer Runde.

Die wechselvolle Geschichte der einstigen Burg begann wohl im Jahr 1075 mit einem Adalbert von Antringen. Später gehörte sie u. a. den Herren von Entringen, den Grafen von Zollern und den Markgrafen von Baden, den Pfalzgrafen von Tübingen, den Grafen und Herzögen von Württemberg und ab 1877 den Freiherren von Ow.

Im heutigen Restaurant hängen noch die Wappen der zahlreichen Besitzerfamilien und ein Bild erzählt eine Geschichte aus dem Jahr 1417. Demnach lebten hier damals fünf Ritterfamilien mit insgesamt rund hundert Kindern. Wenn diese Familien sonntags in die Entringer Kirche gingen, dann soll die Menschenschlange so lang gewesen sein, dass, wenn die ersten Burgbewohner bereits die Kirche betraten, die letzten erst die Burg verließen.

Nach einer eventuellen Einkehr spazieren wir auf dem HW5 weiter, durch den Friedwald, und gelangen damit wieder zum Parkplatz Saurucken, dem Startpunkt unserer Tour.Arndt Spieth

Länge: etwa 11 Kilometer

Dauer: 3,5 Stunden

Höhenunterschied: etwa 250 Meter

Einkehrmöglichkeiten: Hohenentringen

Grillplätze: Die Grillplätze dürfen wieder genutzt werden, wenn, wie auch beim Wandern, der Mindestabstand von 1,5 Meter (Corona-Verordnung) eingehalten wird. Es gibt entlang der Wegstrecke mehrere schöne Grillplätze wie an der Königlichen Jagdhütte oder beim Schloss Hohenentringen.

Ab 1852 sorgte eine militärisch organisierte Forstwache für Ordnung im Schönbuch.

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Erstellt:
17. Juni 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Juni 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2020, 01:00 Uhr

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