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Der Kommentar

Hinter den Sternen

02.01.2019

Von Andrea Bachmann

Die Engel meiner Kindheit arbeiteten als Orchestermusiker. Sie hatten kugelrunde Kindergesichter und trugen zu popokurzen Hemdchen grüngetupfte Flügel. Jedes Jahr zum ersten Advent baute meine Mutter sie auf, irgendwann reichte es für die große Besetzung der Berliner Symphoniker.

Nach Neujahr verschwand das himmlische Orchester wieder im Pappkarton. Engel gehörten zu Weihnachten. Der große, schöne Verkündigungsengel und all dies kleine Rauschgoldgefieder um Stall und Krippe herum waren eindeutig Saisonarbeiter.

Mittlerweile treffe ich auch außerhalb barocker Zwiebelturmglückseligkeit und zu jeder Jahreszeit diese geheimnisvollen Wesen. Manchmal sogar außerhalb des Kitschhimmels irdischer Kruschtboutiquen.

Was auch immer man mit ihnen verbindet, ob man in ihnen eine spürbare göttliche Gegenwart sieht oder eine Art diplomatisches Corps himmlischer Heerscharen, ob sie Vögel der Seele sind, die hinter den Sternen leben wie Rainer Maria Rilke schreibt oder einfach in jedem von uns wirken – sie beflügeln unsere Fantasie und vielleicht auch ein bisschen unsere Sehnsucht nach etwas zwischen Himmel und Erde, das uns stärkt und schützt und trägt.

„Wo zwanzig Teufel sind, da sind auch hundert Engel. Wenn das nicht so wäre, dann wären wir schon längst zugrunde gegangen.“ Das hat Martin Luther über diese Mittler zwischen Himmel und Erde geschrieben.

Ein Rabbi oder ein Imam hätten das auch schreiben können – Engel sind auch im Judentum und im Islam Boten und Vermittler, Beschützer und Begleiter für die Menschen.

Engel verbinden. Mit Gott. Mit anderen Menschen. Mit Welten, die uns nicht unmittelbar zugänglich, aber doch nahe sind. Nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern an jedem neuen Tag im neuen Jahr.

(siehe auch Seite 5)

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Erstellt:
2. Januar 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Januar 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Januar 2019, 01:00 Uhr

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