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Im vergangenen Jahr gab es weniger Hantavirusfälle als errechnet
Die Rötelmaus kann das gefährliche Hantavirus übertragen. Bild: Julius Kramer fotolia
Schiefe Schätzung

Im vergangenen Jahr gab es weniger Hantavirusfälle als errechnet

Eigentlich sollten sich im vergangenen Jahr in Baden-Württemberg 2500 Menschen mit dem Hantavirus infizieren. Zumindest hatte das der Dußlinger Mathematiker und Biologe Martin Eichner ausgerechnet. Es waren dann doch nur 781.

24.01.2018

Kreis Tübingen. „Das ging schief“, gibt Martin Eichner unumwunden zu. „Ich bin sehr unzufrieden mit dem Ergebnis von unserem Simulationsmodell.“ Eichner, Biologie-Professor an der Universität Tübingen, forscht und lehrt dort zur sogenannten mathematischen Modellierung von Krankheitsverläufen. Aus einem Bündel von Annahmen, Bedingungen und Fakten rechnet der Experte mögliche Zukunftsverläufe hoch. So hatte er mit dem Simulationsmodell errechnet, dass im Jahr 2017 die Zahl der Hantavirus-Überträger – also die Rötelmäuse – relativ hoch sein werde. Dadurch werde das Infektionsrisiko steigen: Mit bis zu 2500 Infektionen in Baden-Württemberg sei zu rechnen.

Am Ende des Jahres waren es dann aber „nur“ 781 Infektionen gewesen, laut Statistik des Robert-Koch-Instituts Berlin, an das die Zahlen für meldepflichtige Krankheiten geliefert werden.

Wieso seine Berechnung so daneben liegen konnte, erklärt Eichner damit, dass nur relativ wenige Jahre als Berechnungsbasis vorlagen. „Die Schätzung wird aus den Kenntnissen der vorherigen Jahre extrapoliert“, sprich: hochgerechnet. Dabei hatte er nur Zahlen aus knapp zehn Jahren zur Verfügung.

Zudem ist die Berechnungsbasis nicht die wahrscheinliche Anzahl der Rötelmäuse selbst, sondern, wie viel Futter ihnen zur Verfügung stehen wird. Rötelmäuse ernähren sich von Bucheckern. Wenn also bei den Buchen ein Mastjahr mit sehr vielen Bucheckern zu erwarten ist, dann wird es in dem Jahr auch sehr viele Mäuse geben.

Trotz des enttäuschenden Ergebnisses will Eichner weitermachen: „Wir arbeiten gerade an einer Neuauflage der Schätzung.“ Zusammen mit dem Landratsamt Reutlingen wird er in den nächsten Wochen das Berechnungsmodell umbauen. Angelika Brieschke

Was sich das Landratsamt Reutlingen von Voraussagen von Infektionszahlen erhofft, siehe Seite 2.

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24.01.2018, 01:00 Uhr
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