Das Schreiben als Selbsttherapie

Jürgen Sandherr sucht nach dem Positiven

Unter dem Titel „Der weise Abschied … und ich wollte dir noch danke sagen!“ thematisiert Jürgen Sandherr das schwierige Verhältnis zu seinem Vater. Das Buch ist für den Inhaber einer Kfz-Werkstatt in Kirchentellinsfurt auch eine Form der Selbsttherapie. Und er will seine Leser dazu anregen, „das Gespräch mit ihren Familien zu suchen“.

12.01.2022

Stefan Burkert (rechts) hat das Buch von Jürgen Sandherr gedruckt. Auch die Mutter des Autors Martina Sandherr (links) sowie Tochter Lea-Maria und seine Frau Andrea kommen in der Geschichte des Mähringers vor. Bild: Stefan Zibulla

Jürgen Sandherr plädiert in seinem Buch dafür, das Positive zu suchen. Das findet der Leser nicht erst im Nachwort mit seinem Appell, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen und die Verbesserung zwischenmenschlicher Beziehungen nicht so lange aufzuschieben, bis es zu spät ist. Schon auf den vorderen Seiten der auf wahren Begebenheiten basierenden Erzählung, die Grenz- und Übergangserfahrungen des Autors wie den Heiratsantrag an die Freundin, den Tod seines Vaters und die Geburt der Tochter beschreibt, stehen Sätze, über die es sich nachzudenken lohnt. Etwa: „Ich möchte behaupten, der Schlüssel zu mehr Liebe auf dieser Welt liegt darin, mehr Interesse an der Wahrheit der anderen zu zeigen.“

Zwischen solchen Impulsen mit psychologischem Tiefgang und der pädagogisch wertvollen Warnung vor schnellen Urteilen ist das Erstlingswerk des 38-jährigen Mähringers allerdings mit simplen Formeln durchsetzt, die zwar gerne in Seminaren mit einem sogenannten ganzheitlichen Ansatz strapaziert werden, aber der Komplexität und Widersprüchlichkeit menschlicher Existenz nicht gerecht werden. Sandherr kritisiert Glaubenssätze, um dann selber zahlreiche zu formulieren. Beispielsweise, wenn er in fragwürdiger Vereinfachung den Begriff der Schuld für nichtig erklärt und behauptet, dass alles Sinn macht.

Jürgen Sandherr berichtet, wie er sich um ein neues Verhältnis zu seinem kranken Vater bemüht. Die Nachricht von dessen Tod, die er während eines Persönlichkeitstrainings in Neuseeland bekommt, beschleunigt diesen Prozess des Umdenkens und der produktiven Selbstreflexion. Der Sohn reduziert seinen Vater nicht mehr auf dessen starken Alkoholkonsum, sondern würdigt ihn als prägende Gestalt für das eigene Leben. Dabei stellt er eine Dankbarkeitsliste mit 26 Punkten auf – von den Urlauben in seiner Kindheit über die finanzielle Unterstützung während des Studiums bis zur Fähigkeit, Gefühle auszudrücken und zuzulassen.

„Das Schreiben dieser Geschichte war für mich auch eine Selbsttherapie“, erklärt Sandherr, der seit 2018 einen zweiten Beruf als selbstständiger Persönlichkeitsberater ausübt. Zudem nutzt er das Buch als Werbeplattform für einen befreundeten Coach, der seinen Klienten mehr Erfolg in Beruf und Privatleben verspricht. Auf der spirituellen Ebene rutscht der studierte Betriebswirt in den Spiritismus ab und kolportiert abergläubische Vorstellungen von der Begegnung mit verstorbenen Seelen in Gestalt schwarzer Katzen.

Mit Stefan Burkert hat Sandherr einen Drucker gewonnen, der gerne schöne Bände mit großformatigen Bildern produziert. Sowie Bücher, „in denen man gut blättern kann und die gut riechen“, erklärt der Geschäftsführer der Firma Laupp & Göbel. Als Co-Verlag hat die Gomaringer Druckerei auch das Layout von Sandherrs Buch entworfen. Die Illustrationen, die Ricarda Hiller nach fotografischen Vorlagen am I-Pad gemalt hat, zeichnen sich durch eine stilisierte Schlichtheit aus, die auch einen Pasta-Teller als Kunstwerk erscheinen lässt.

Autor und Drucker haben sich beim Frühstück eines Unternehmernetzwerkes kennengelernt. Seither lässt Stefan Burkert sein Auto in der Werkstatt von Jürgen Sandherr reparieren. Stefan Zibulla

Jürgen Sandherr

Der weise Abschied

. . . und ich wollte dir noch

danke sagen!

SHP Potential Verlag

Würzburg, 2021

12 Euro

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Erstellt:
12. Januar 2022, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Januar 2022, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Januar 2022, 01:00 Uhr

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