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Der Kommentar

Koste es, was es wolle

20.05.2020

Von Fred Keicher

Mancher Hirschauer Bürger, der jahrzehntelang um die Verkehrsentlastung seiner Ortsdurchfahrt gekämpft hat, ist erschrocken, als er gesehen hat, welche Dimensionen der Weilheimer Straßenknoten bekommen hat. Das schöne Brückenbauwerk mit seiner Toranmutung wurde sorgfältig aufgeschüttet, dass oben gleich zwei Kreisverkehre Platz finden.

Der Flächenbedarf allein für diesen Knoten beträgt 3,5 Hektar. Die Fahrbahnen auf dem 10 Kilometer langen Stück zwischen Weilheim und Sülchen nehmen 19 Hektar in Anspruch (davon sind allerdings nur knapp die Hälfte neu). Für Feldwege, Verkehrsgrün und Ausgleichsmaßnahmen werden noch einmal 26 Hektar benötigt. Die Kosten der gesamten Baumaßnahme betragen rund 56 Millionen Euro, davon gehen 2,4 in die Bepflanzung und in die Ausgleichsmaßnahmen.

Die Liste dieser Ausgleichsmaßnahmen ist lang. Äcker werden in Wiesen umgewandelt, Niederhecken werden gepflanzt, der Bühlertalbach wird renaturiert. Die Fledermäuse bekommen in Bühl und Kiebingen eine Überquerungshilfe. Der Bereich des Queck-Baggersees wird geschützt. Der Flächenbedarf für diese begleitenden Maßnahmen ist größer als der für die Straße selbst. Das ist üblich geworden. Bei den gigantischen Ausarbeiten der Autobahnen zwischen Karlsruhe und Stuttgart oder Heilbronn und Mannheim sind Hunderte Hektar in die Ausgleichsmaßnahmen geflossen.

Sprechen die Zahlen für sich selber? Wohl kaum. Sie sagen nicht, dass diese Baumaßnahmen demokratisch legitimiert sind. Vielfach haben Bürgerinnen und Bürger jahrzehntelang dafür gekämpft. In gewisser Weise sind diese Straßenbauten tatsächlich alternativlos. Gewiss ist auch, dass die Distanzen geringer werden. Die Höhe der Lärmschutzwände zeigt das. In der Nähe von Heilbronn werden sie im Moment 16 Meter hoch gebaut. Die Kompromisse zwischen Mobilität und Ruhe werden schwieriger. Da liegt es fast nahe, dass niemand kriegt, was er sich wünscht.

Verkehrswende? Sicher eine gute Idee. Nur sagt leider niemand, dass das einer Revolution gleichkäme, die unsere Lebensbedingungen und Lebensformen durcheinander schüttelt. Und die Natur? Vielleicht sollten wir darauf setzen, dass es in unserer völlig übernutzten Umgebung aus Mangel an Geld oder wegen zu vieler Straßen irgendwann Flecken gibt, wo Disteln und Brennnesseln wuchern und die seltensten Schmetterlinge fliegen. Und ihre Raupen und Puppen nicht von einem Mulchgerät massakriert werden.

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Erstellt:
20. Mai 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
20. Mai 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2020, 01:00 Uhr

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