Die Tigers sorgten für Nervenkitzel

Siegeskorb gegen Schwenningen bei ablaufender Zeit – dann in die Feiertage

Eine würdige Heimkehr in ihre angestammte Paul-Horn-Arena in Tübingen feierten die Basketballer der Tigers am vergangenen Donnerstag: In einem atemberaubenden Finale siegten sie gegen Schwenningen mit einem Punkt Vorsprung.

29.12.2021

Die Tigers nicht treffsicher dieses Mal - aber es reichte noch zum Sieg. Bild: Werner Bauknecht

Nein, leicht machten es einem die Tigers beim Spiel gegen die Schwenninger Panthers nicht – nicht sich selbst und vor allem nicht den Tigers-Anhängern unter den 750 zugelassenen Fans. Und ausgerechnet bei ihrem „Homecoming“, ihrem ersten Heimspiel in der Paul-Horn-Arena nach mehr als einem Jahr. Zuerst Impfzentrum und danach musste die Halle auch noch renoviert werden wegen eines Wasserschadens – viele der Spieler kannten ihre angestammte Heimstätte noch gar nicht.

Als müssten sie sich erst mal zurechtfinden unterm neuen Hallendach, starteten die Tigers in ein richtig schwaches erstes Viertel. Mit 13:19 schlossen sie es ab, und viele der Zuschauer dachten, es könne nur besser werden. Und das tat es auch. Denn das zweite Viertel gewannen sie klar mit 23:13, auch wenn man nicht den Eindruck hatte, der Drops sei zu dem Zeitpunkt gelutscht.

Denn die Tigers, das wurde im Lauf des Spiels deutlich, waren an dem Tag weder in der Defensive sattelfest noch zielsicher in der Offensive. Es gab viele Würfe, die ihr Ziel nicht fanden, und durch die Tübinger Abwehr wanderten die Schwenninger teilweise durch, als sei sie gar nicht vorhanden.

Der wahre Schrecken kam dann aber erst im dritten Viertel, das gnadenlos verloren ging mit sage und schreibe mit 10:24. Einer der absoluten Aussetzer unter vielen war beispielsweise ein Airball von Joanic Grüttner Bacoul bei einem Freiwurf – das heißt, er traf nicht mal den Korb. Das passierte dem Spieler nicht nur ein Mal im Match, aber auch Bakary Dibba oder Erol Ersek gelangen gerade mal zwei (Dibba) beziehungsweise sogar Null Punkte (Ersek). Auch Timo Lanmüller gelang kein einziger Punkt. Da war klar, dass es eine enge Kiste wird gegen Schwenningen – wie immer, möchte man sagen. Denn gegen die Panthers gelang den Tigers noch kein einziger Sieg bislang, in den vergangenen zwei Bundesliga Pro A-Jahren gewann Angstgegner Schwenningen alle Spiele.

Das Endergebnis von 74:73 deutet bereits an, dass entweder beide Defensivabteilungen oder die Offensivspieler nicht auf der Höhe waren – das zeigt die Anzahl der (wenigen) erzielten Körbe bei beiden Teams. Trauriger Höhepunkt war dabei, dass den Tigers viertelübergreifend beim dritten und vierten Spielabschnitt siebeneinhalb Minuten lang kein einziger Korb gelang. Kein Wunder, dass es dann mit einem Mal 17 Punkte Rückstand gab für die Tigers, und das etwa acht Minuten vor Spielende. „Oh je“, stöhnten da auch schon die Zuschauer, „das schaffen die vielleicht gar nicht mehr.“

Dann zeigte sich eine Qualität, die die Tigers besonders in dieser Spielzeit auszeichnet, und was sie in den zurückliegenden Spielen vielfach bewiesen haben – sie gaben nicht auf und glaubten, bis nichts mehr ging, an ihre Chance. Und tatsächlich gelangen ihnen plötzlich Sachen, die zuvor völlig missglückten. „Wir hatten einige gute Minuten von Spielern, die vorher Probleme hatten, dann aber wichtige Würfe getroffen haben“, sagte Kapitän Ryan Mikesell nach dem Match.

Nicht zuletzt er selbst drehte plötzlich auf. Insgesamt brachte der Top-Scorer der Tigers auch am Donnerstag 23 Bälle in den Korb, aber alleine 14 Punkte davon im letzten Viertel. Und kam es tatsächlich noch zum Tigers-Sieg. Und das passierte so: Schwenningen führte 18 Sekunden vor Ende mit 73:69. Dann gelang es Isaiah Crawley auf 71:73 heranzukommen mit einem eleganten Korbleger.

Noch 11 Sekunden, und Schwenningen nahm eine Auszeit. Für das Team gab es einen Einwurf unter dem eigenen Korb – eigentlich eine sichere Taktik, um das Ding mit Ballbesitz heim zu schaukeln. Doch Crawley spritzte zwischen das folgende Anspiel, dann ging der Ball zu Mateo Seric und von da zu Aatu Kivimäki – und der versenkte einen Dreier. Unglaublicher Jubel bei den Tigers – aber erst nachdem die Schwenninger ihren letzten Dreierversuch eine Sekunde vor Schluss vermasselt hatten.

Doch Coach Daniel Jansson war nicht so euphorisch – im Gegenteil. Er fand Vieles zu bemängeln, und das zu Recht, wenn man auf das Spiel als Ganzes schaut. Jansson meinte sogar, er habe „das Gefühl, wir haben Schwenningen beraubt. Ich habe den Jungs gesagt, wir können das nicht als Sieg ansehen.“ Das ist natürlich hart, in Teilen zutreffend. Wenn die Schwenninger nur halbwegs ihre Freiwürfe verwandelt hätten, hätte kein Endspurt mehr den Tigers den Sieg gebracht. Aber bei einer Quote von 50 Prozent dürfen sich die Panthers nicht wundern, wenn sie als Verlierer vom Platz gehen.

Schön jedenfalls, dass die Tigers mit einem Sieg in die Feiertage gingen. Denn am Montag stand schon das nächste Spiel auf dem Plan. Und da ging es gegen den Tabellenzweiten in Jena. Mit einem Sieg dort, stehen den Tigers dann alle Chancen offen für diese Saison. Werner Bauknecht

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Erstellt:
29. Dezember 2021, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Dezember 2021, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Dezember 2021, 01:00 Uhr

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