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Wenn Arbeit die Psyche verbrennt

Zahl der Burnout-Fälle drastisch gestiegen: Vor allem Männer ab 50 betroffen

Immer mehr Menschen fühlen sich depressiv und ausgebrannt. Das hat jetzt eine Auswertung der KKH Kaufmännische Krankenkasse zum Tag der Workaholics am 5. Juli ergeben.

03.07.2019

Wenn schon alltägliche Dinge wie zum Beispiel Duschen zu einer unüberwindbaren Kraftanstrengung werden, dann ist das ein Zeichen für eine Depression. Bild: Robert Przybysz / fotolia

Demnach diagnostizierten Ärzte 2017 bei rund 24 500 Versicherten ein Burnout-Syndrom – ein drastischer Anstieg von rund 115 Prozent gegenüber dem Jahr 2007. Besonders betroffen sind die Berufstätigen älterer Generationen und Arbeitnehmer kurz nach Renteneintritt: So registrierte die KKH bei den 50- bis 69-Jährigen nicht nur die meisten Burnout-Fälle, sondern auch den größten Anstieg um rund 170 Prozent, bei den Männern sogar um rund 260 Prozent.

Die Gründe dafür sind vielfältig. „Unter anderem können chronischer Stress sowie Überbelastung in Beruf und Privatleben, aber auch Arbeitssucht zu einem Burnout-Syndrom führen“, erläutert Jana Acker, KKH-Expertin für betriebliches Gesundheitsmanagement. Wer heute, vor allem als Mann, stressbedingten Druck und Schlafstörungen nicht kennt, gilt fast schon als nicht normal. Volle Terminkalender, kaum Zeit und Energie für das Genießen des Lebens gehören zum Alltag. „Männer sind in der Regel noch gefährdeter, immer die Nummer eins sein zu wollen und zu müssen“, erläutert Acker als einen der Gründe für den großen Anstieg.

Burnout wird häufig als Zusatzdiagnose im Zuge anderer, meist psychischer Erkrankungen wie Depressionen gestellt, die etwa durch Stress entstehen können. Auch da zeigen die KKH-Daten: Der Anteil der 50- bis 69-Jährigen mit Depressionen ist besonders hoch. Jeder fünfte Versicherte dieser Altersgruppe ist demnach betroffen, bei den 30- bis 39-Jährigen etwa ist es nur jeder neunte. „Das heißt nicht, dass es nicht schon vorher Probleme gab, aber eine psychische Erkrankung entwickelt sich meist langsam und wird erst später erkannt“, erläutert Acker.

Der erste, aber auch der schwierigste Schritt für Betroffene ist, überhaupt zu erkennen, dass etwa Dauerstress und Arbeitssucht krank machen können. Gerade Workaholics fällt dies besonders schwer, denn wer im Unternehmen mit dem eigenen Arbeitseinsatz protzt, zeigt Stärke und präsentiert sich als Leistungsträger. Zwar haben Achtsamkeit und Work-Life-Balance in der Arbeitswelt mittlerweile ihren Platz gefunden, die Lage hat sich aber dennoch nicht entspannt, wie die KKH-Zahlen zeigen.

Alarmierendes Erkennungszeichen eines Burnouts beziehungsweise einer Depression: völlige Erschöpfung. Aufstehen, Duschen, Kaffee kochen – all das, was sonst selbstverständlich zum Alltag gehört, wird immer mehr zur unüberwindbaren Kraftanstrengung. Wer einen Hausarzt hat, dem er vertraut, sollte das Thema so früh wie möglich ansprechen – am besten schon, wenn die ersten Symptome wie Schlafstörungen auftreten.

TA

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Erstellt:
3. Juli 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Juli 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Juli 2019, 01:00 Uhr

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