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Börstingen
Aus der Luft und zu Fuß (15)

Börstingen

31.01.2018
  • Andrea Bachmann / Bilder: Erich Sommer

„Die körperlich minder kräftigen Einwohner, bei denen der Kropf nicht zu den Seltenheiten gehört, sind im allgemeinen in keinen günstigen Vermögensverhältnissen und finden ihre Erwerbsquellen theils durch Feldbau, theils durch Taglohnarbeiten und Strickerei; bei wenig Sinn für Sparsamkeit leben sie gerne von der Hand in den Mund und machen sich äußerlich durch auffallend viele Fleischesvergehen, sehr bemerklich.“

Besonders freundlich ist man in der Beschreibung des Oberamtes Horb von 1865 nicht gerade mit den Menschen umgegangen, die in Börstingen lebten. Dabei hatten die Ortsheren, die Freiherren Raßler von Gamerschwang, die das Rittergut Ende des 17. Jahrhunderts erworben hatten, sich viel Mühe gegeben, das heimische Handwerk anzukurbeln!

Wie erfolgreich sie damit waren – der Autor der Oberamtsbeschreibung bescheinigt der Gemeinde immerhin, dass sie über einen schönen Begräbnisplatz, ein sehr freundliches Pfarrhaus mit terrassenförmig angelegtem Garten, ein Rathaus, eine Schule und eine Industrieschule im Winter verfügt und findet nur die Kirche unansehnlich und ihre Ausstattung nicht besonders bemerkenswert – lässt sich heute im Börstinger Dorfmuseum besichtigen.

Das Haus aus dem Jahr 1779 wäre 2003 beinahe abgerissen worden, stattdessen richteten dort ehrenamtliche Helferinnen und Helfer mit viel Arbeit und noch mehr Herzblut eine „Kulturtankstelle“ ein und stellten dort „Habseligkeiten aus dem früheren Lebensalltag“ aus. Das Konzept dazu wurde von einem Studierendenprojekt der Universität Tübingen erarbeitet: ausgewählte Ausstellungsstücke werden mit erzählten Erinnerungen verbunden, die einen Einblick vermitteln, wie die Börstinger im 19. und 20. Jahrhundert lebten, aßen, arbeiteten und feierten. Das Ganze wurde so schön, dass es schon ein Jahr nach der Gründung einen Preis für ein „Vorbildliches Heimatmuseum“ dafür gab.

Die Oberamtsbeschreibung erwähnt auch das Schloss der Freiherren von Raßler, das an die Stelle einer 1720 abgebrochenen Wasserburg gebaut worden war: „Am südlichen Ende des Dorfs steht das Schloss der Freiherrn von Raßler mit ansehnlichen Ökonomiegebäuden und großem ummauerten Garten; dasselbe diente früher der freiherrlichen Familie als Winteraufenthalt und wird jetzt als Meierei benützt.“ Heute ist dort ein Therapiezentrum des Vereins für Jugendhilfe, in dem jugendliche Suchtkranke zwischen 17 und 24 Jahren betreut werden.

Während Schloss, Dorfmuseum und Kirche – mittlerweile nicht mehr unansehnlich sondern schmuck renoviert – die Jahrhunderte überdauert haben, ist die ehemalige Siegburg auf dem Bergsporn gegenüber von Sulzau längst verfallen, ihre Steine leben höchstens noch im Schloss Weitenburg weiter. Die Burg wurde Anfang des 11. Jahrhunderts erbaut. 1060 unternahm der Burgherr Berno von Siegburg eine fromme Pilgerfahrt, was ausgerechnet sein eigener Bruder Arnold zum Anlass nahm, die Burg zu plündern. Kurz darauf wurde sie dem Verfall preisgegeben.

Ob bei dem Überfall auf die Burg die Glocken geläutet haben? Wenn ja, dann war vielleicht die Börstinger „Pumpelschelle“ darunter, eine 33 Zenimeter lange Handglocke aus drei Eisenblechen, die aus dem 8. oder 9. Jahrhundert stammt und zu den ältesten Glocken Europas gehört. Andrea Bachmann

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31.01.2018, 01:00 Uhr
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